Endlich wieder connected
geschrieben am 27.02.2009 um 13:08 von Karin Thiller in der Kategorie Allgemein, Dos and Don’ts, Events, Journalismus, PRAm Mittwoch, den 25.Februar, fand die erste OTSconnect – Veranstaltung des Jahres statt. Auch diesmal konnten wir wieder circa neunzig Gäste aus der PR-Branche im Funkhaus des ORF in der Argentinierstraße begrüßen. Das Thema mochte angesichts der aktuellen Lage überraschen (Achtung Ironie), es ging um die Krise, genauer gesagt um Krisenkommunikation – „Was tun, wenn‘s brennt?“. Was sollen PR-Leute also tun oder nicht tun wenn er da ist, der kommunikative Krisenfall.
Darüber gab ein hochrangig besetztes Podium den anwesenden Gästen Auskunft. Die Journalisten Rainer Fleckl vom Kurier, Florian Klenk vom Falter, Werner Müllner von der APA, Michael Nikbaksh vom profil und Erich Vogl, ebenfalls Kurier, gaben Einblicke in ihren Arbeitsalltag, der ein durchaus spannender ist. Gehören die genannten Herren doch zu der (recht kleinen Schar) investigativer Journalisten in Österreich. Und haben solcherart schon viele Skandale – nein, nicht gemacht- sondern aufgedeckt. Fallbeispiele gab es genug: Von der Saunazelle im Gefängnis Stein, über die Blutdoping- Affäre mit Verwicklung des St. Anna Kinderspitals, den Drogenhandel im Elektronik-Fachmarkt bis zu Glock-Pistolen im Irak. Allesamt klassische Krisen und der GAU für den PR-Verantwortlichen.
Als PR-Mensch konnte einem schon bang werden, angesichts des geballten journalistischen Kampfgeistes, der in der Diskussion deutlich wurde. Da fielen Sätze wie „Legen Sie sich bloß nicht mit uns an“, „Wir sind wirklich harte Jungs“ und „Mit Klagen schrecken Sie uns nicht, das haben wir dauernd“. „Der PR-Berater ist mein natürlicher Feind“.
Es blieb aber nicht durchgehend martialisch, da waren auch sehr viele Informationen, Tipps und Anregungen für die PR-Branche dabei. Klar wurde, dass es mehrere Faktoren gibt, die über das Bestehen in der Krise entscheiden: Schnelligkeit ist einer davon, aktive und transparente Kommunikation der andere, gute Vorbereitung ein weiterer. Schnelligkeit: Florian Klenk und Michael Nikbaksh waren sich einig: viel mehr als zwei Stunden hat man nicht, um zu reagieren bevor eine Geschichte in Druck geht. Das Falsche sagen ist schlecht, gar nichts sagen noch schlechter, Fakten bestreiten (auch „lügen“ genannt) das Schlechteste. Was man – nach Aussage der Diskutanten – ebenfalls ganz sicher nicht tun sollte: intervenieren. Nicht beim Chefredakteur und schon gar nicht bei der Anzeigenabteilung. „Wer interveniert hat schon verloren.“, sagt Klenk.
Hilfreich: Vorbereitet sein. Ein gut gepflegtes Kontaktnetzwerk mit Journalisten (Vertrauensverhältnis inklusive) ist im Krisenfall besonders wichtig, klare interne Entscheidungsstrukturen auch.
Das und vieles mehr gab es in der mehr als einstündigen Diskussion zu hören. Was sonst noch dabei war, gibt es im Mitschnitt der Diskussion zum Nachhören.
Wer das Thema fachlich vertiefen möchte: Am 5. März findet eine OTScampus Veranstaltung zum Thema Krisenkommunikation unter Leitung des Krisenforschers Frank Roselieb, einem der führenden Krisenforscher im deutschsprachigen Raum, statt. Anmeldungen hier.

Natürlich wirken die Sager der Podiumsteilnehmer nicht beruhigend. Tatsache ist aber, dass das auch die kommunikationstechnische Realität ist. Investigativer Journalist wird man nicht, in dem man immer nett ist und alle mit Samthandschuhen anfasst. Und wenn sich einer dieser “harten Burschen” (ja, es sind eigentlich fast ausschließlich Männer) auf ein Thema drauf setzt, an dem noch dazu irgendwas dran ist, dann wirds sicher ungemütlich für Management und Kommunikation. Darauf sollte man gefasst sein - so man die Sache rechtzeitig (und nicht erst zwei Stunden vor Erscheinen des Beitrags) mitkriegt. Insofern wurde mir nicht bang, sondern etwas noch klarer: Man sollte sich rechtzeitig wappnen und klare Krisenkommunikations-Strukturen haben. Denn passieren kann immer was …