Heikle Entscheidungen – Wie unabhängig sind Internet-Wahlhelfer
geschrieben am 10.09.2008 um 14:27 von Michael Korbel in der Kategorie Allgemein, Journalismus, Online, PolitikLaut Umfragen wissen eineinhalb Millionen Wähler noch nicht, welcher Partei sie am 28. September ihre Stimme geben werden. Nicht nur bei Jungwählern, auch in meinem erweiterten Bekanntenkreis scheint die Orientierungslosigkeit groß zu sein. Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Anteil der unentschlossenen Wähler noch bei kaum einer Wahl so knapp vorm Wahltermin so hoch war wie bei dieser.
Wahl-Entscheidungshelfer bekommen dadurch besondere Bedeutung. Aus PR-Sicht sind diese Entscheidungsinstrumente wie andere unabhängige Internet-Plattformen zur Wahl nicht zu unterschätzen – besonders wenn sie schon über lange Jahre etabliert sind wie etwa die www.wahlkabine.at, die bereits seit 2002 online ist.
Interessant: Antwortet man eher links orientiert, empfiehlt www.wahlkabine.at Unentschlossenen tendenziell eher KPÖ oder Grüne zu wählen. Meist folgen dann Liberales Forum und erst dann die SPÖ, berichten viele meiner Bekannten, die sich dem Test unterzogen haben. Das lässt für den Beobachter mehrere Interpretationsspielräume und auch für meine Bekannten mehrere Schlüsse offen.
Seit heuer kann der unentschlossene Wähler auch noch ein „Zweitgutachten“ einholen. Denn: Bei der wahlkabine.at nicht mehr mit an Bord sind die Donau-Universität Krems ebenso wie der Politologe Peter Filzmaier. Sie haben nun eine neue Internet-Entscheidungshilfe gestartet – unter www.politikkabine.at. Ohne die Hintergründe zu kennen lässt auch das mehrere Interpretationsspielräume offen.
Beruhigend dabei: Die beiden Entscheidungshelfer kommen zumindest tendenziell auf ähnliche Empfehlungen. Grundsätzlich lohnt es sich für diejenigen, die die Entscheidungshelfer zu Rate ziehen, genau zu studieren, wie die Beratungstools zu ihren Empfehlungen gekommen sind.
Parteien und deren PR sollten Websites wie diese nicht aus den Augen verlieren und von ihnen lernen. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Plattformen, die auch weniger explizit den Wähler bei der Qual der Wahl unterstützen. In Zukunft werden http://grauslich.at, http://wahlbarometer.at oder http://meinparlament.at die Wählermeinung womöglich mehr beeinflussen als so manche Kampagne, eigene Internetaktivitäten und PR-Taktik. „Service“ statt Kampagnen stehen dabei im Mittelpunkt.
Wer im Internet Marketing und PR künftig erfolgreich verbinden will, soll das stets mit bedenken.
… mehr zu den Plattformen unter derstandard.at

Was mir fehlt ist die Wahlmaschine der Wiener Zeitung: http://wahlen.wienerzeitung.at/ . Erstaunlich, dass die bei einem APA Blog nicht auftaucht.