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It’s a Photoshop-World – ist sie das wirklich?

geschrieben am 08.09.2009 um 12:05 von Niko Formanek in der Kategorie Allgemein
Niko Formanek

„Sie lösen das dann eh im Photoshop, oder?“ Ein Satz, den ich bei fast jedem Fototermin höre. Egal, ob es um einen hässlichen Hintergrund, um Personen, die es nicht zum Fototermin geschafft haben, oder – oft nur halb scherzhaft – um das Aussehen des „Models“ geht. Nicht nur haben wir uns daran gewöhnt, dass scheinbar Fotos schon lange nicht mehr die Realität abbilden, nein, wir erwarten es alle schon.

Stellt sich die Frage, ob das der richtige oder besser gesagt ein guter Weg ist? Vorweg gleich, ich habe kein Problem Photoshop einzusetzen. Auch um die Welt in der ich fotografiert habe zu verändern. Und vor allem auch dann, wenn das vom Kunden gewünscht wird. Aber natürlich führt diese medial erzeugte Scheinwelt zu vielen Problemen, die uns oft gar nicht gleich bewusst sind. Nicht umsonst gilt der Spruch: Was nicht medial ist, ist nicht!

In den USA wird die „Photoshop-Debatte“ in Medien- und Fotografenkreisen viel härter und schärfer als bei uns geführt. Mehrere Foto-Journalisten haben schon ihren Job verloren, weil sie in einem Foto z.B. störende Masten oder Leitungen weg retuschiert haben. Eine Vorgehensweise, die bei uns nicht vorstellbar ist. Im Gegenteil, ich hatte einmal den Auftrag in der Redaktion einer großen Tageszeitung die junge Gewinnerin eines Preisausschreibens bei ihrem Besuch fotografisch zu begleiten. Das rund 12-jährige Mädchen wurde in der Redaktion herumgeführt und durfte hinter die Kulissen blicken. In der Sportredaktion wurde ihr dann von einem stolzen Redakteur begeistert gezeigt, um wie viel besser ein Sportfoto aus der Fußballbundesliga wirkt, wenn der Ball durch Photoshop-Zauberei auch plötzlich bei dem Spieler auftaucht, der „medial“ wichtig ist.

Also offensichtlich sollte der Einsatz von Photoshop bei „redaktionellen“ bzw. „journalistischen“ Bildern auf ein Minimum beschränkt sein. Es ist in Ordnung, den Himmel ein wenig nachzudunkeln, aber es ist nicht in Ordnung ein scheinbar störendes Plakat aus dem Hintergrund zu entfernen.

Ganz anders verhält es sich, wenn es um Werbe- bzw. PR-Fotografie geht. Auch der „ganz normale“ Konsument versteht, dass es da nicht um die Abbildung der Wirklichkeit geht. Nein, hier wird verkauft, und dabei sind fast alle Mittel und Instrumente recht – eben auch Photoshop.

Schwierig, weil auch sehr persönlich, wird der Einsatz von Photoshop, wenn es um Porträtfotografie geht. Wir alle wissen, dass die Covermodels der Magazine nicht so toll aussehen, wenn sie in der Früh aufstehen, oder am Abend zu Bett gehen. Gesichter werden anatomisch verändert, Schenkel länger, Menschen schlanker, Haare verlängert, etc., etc. – nichts ist unmöglich. Umso wichtiger ist es bei der Betrachtung des eigenen Aussehens immer klar im Bewusstsein zu haben, dass es diese „Superschönen“ real nicht gibt. Aber Photoshop ist ein wichtiges und gutes Instrument, um Menschen – auch „normale Menschen“ – besser aussehen zu lassen.

Seit Jahrhunderten malen Porträtmaler ihre Motive nicht so wie sie wirklich aussehen, sondern wie sie sie sehen. Und natürlich haben sie auch immer versucht ihre Auftraggeber positiv zu überraschen. Und genau das muss der erfolgreiche Porträtfotograf heute auch können. Und dabei ist es egal, ob es um einen Politiker, eine erfolgreiche Vorstandsvorsitzende eines großen Unternehmens oder einfach jemanden, der ein Bewerbungsfoto braucht, geht.

Die Kunst beim Einsatz von Photoshop ist es, jenes gesunde Maß zu finden, dass Menschen sympathisch und attraktiv aussehen lässt, ohne sie für sich selbst, Freunde und Kollegen unkenntlich zu machen. Was nie passieren darf ist, dass Betrachter eines Porträts zuerst die Photoshop-Künste des Fotografen bzw. des Bildbearbeiters loben noch bevor sie ein Wort zu jenem Menschen äußern, der eigentlich auf dem Bild zu sehen ist. Schön ist es, wenn ein Foto bei den Betrachtern einfach eine positive Reaktion auslöst, die auf die Sympathie des Models zurückgeführt wird.

Zum Abschluss bleibt aber Eines festzuhalten: Ob ein Porträt gut geworden ist, entscheidet sich immer schon bei der Aufnahme – lange bevor das Bild in einem Computer gelandet ist. Photoshop kann kleine, oberflächliche „Fehler“ ausbessern, aber nie einen offenen, sympathischen und attraktiven Gesichtsausdruck erzeugen. Um Menschen ungezwungen, natürlich und sympathisch zu fotografieren, bedarf es vor allem eines guten Fotografen mit einer gewinnenden Persönlichkeit. Wenn diese Basis nicht vorhanden ist, kann auch Photoshop, bedient von den besten Bildbearbeitern, nichts tun um ein Bild „gut“ zu machen.



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  1. Elise Ryba , am 08.09.2009 um 13:22

    Bravo Niko, ein Beitrag, der auch mir aus dem PR-Berater-Herzen spricht. Fotos sind immerhin das Salz in der Suppe der faden Pressetexte-Orgie. Und ohne guten Fotograf kein gutes Foto. Bleibt nur noch zu ergänzen: Damit die Chancen für ein wirklich gelungenes PR-Foto steigen, ist bereits die Planung des Shootings ein wichtiger Punkt: Was wird das textliche Umfeld sein, welche Aussage will ich mit dem Foto unterstützen? Wer soll drauf sein und wer nicht? Welche Location passt und wie ist dort das Licht genau zu dem Zeitpunkt, zu dem fotografiert werden soll? Als sehr hilfreich hat es sich auch erwiesen, den Fotografen in die Pläne bez. Verwendung der Fotos einzuweihen, vor allem bei Veranstaltungsreportagen. In diesem Sinne: weiterhin gut Licht!

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