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Wann gestalten Frauen (endlich) die Arbeitswelt mit?

geschrieben am 29.10.2008 um 16:54 von Angela Fritz in der Kategorie Allgemein, Karriere, Trends, Unternehmen
Angela Fritz

Vielfach ist unsere Arbeitswelt geprägt durch Regeln – und nur wenige nehmen Rücksicht auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse von Frauen.

Am 24. 10. ist in einer OTS-Aussendung zu lesen, dass Unternehmen lernen müssen, mit Web 2.0 umzugehen, der Produktivitätsverlust sei enorm und man empfehle z. B. ein Verbot von Mails am Vormittag. Diese Tipps orientieren sich allerdings stark am (Arbeits-) Alltag der Männer.

Nicht strikte Regeln, sondern mehr Flexibilität würden das Arbeitsleben von Frauen erleichtern – und die Produktivität massiv erhöhen.

Frauen – und heutzutage auch Männer – lernen spätestens im Familienleben, dass das Leben nur funktioniert, wenn man sehr gut organisiert ist und bei Möglichkeit lernt, Dinge gleichzeitig zu tun.

Das Angebot, ‚halbtags’ zu arbeiten – also das Arbeitspensum außer Haus zurückzufahren – kommt sicher manchen Elternteilen (es sollten nicht nur Mütter sein) zugute. Aber: So manch eine Aufgabe lässt sich auch außerhalb des Büros erledigen. Insbesondere Jobs im Medienbereich erfordern nicht immer die Anwesenheit an einem Schreibtisch. Schreiben und recherchieren kann man auch an einem anderen Ort. (Heißt nicht, dass man nicht zu ‚Produktionszeiten’ oder ‚Teamwork’ vor Ort ist!)

Neue Technologien können die Produktivität erhöhen! Voraussetzung: Die Bezahlung erfolgt nach geleisteter Arbeit und nicht nach Zeit: Nicht die Zeit, die ich im Büro sitze, ist relevant, sondern die Leistung, die ich erbringe – das ‚Ergebnis’.

Familie und Job ließe sich so viel leichter vereinbaren. Warum nicht mal abends um 22 Uhr einen Artikel oder eine Presseaussendung fertig machen? Warum nicht am Samstag/Sonntag Recherchezeit ‚einschieben’ und dafür am Montag einkaufen gehen können?

Klare Regeln – aber andere, Flexibilität zulassende – könnten die Produktivität massiv steigern – und die Arbeitswelt (frauen-/) familienfreundlicher machen.



3 Kommentare RSS 2 zu Kommentaren abonieren

  1. Oliver Nitz , am 31.10.2008 um 12:02

    Liebe Frau Fritz,

    Zieldefinition und ergebnisorientiertes Arbeiten sind die größte Herausforderung, v.a. für große Unternehmen. Klein- und Mittelbetriebe können sich einen andere Arbeitsweise nicht leisten.
    Ein weiteres Problem mangelnden Fokus entsteht sehr schnell, wenn Mitarbeiter nicht am Erfolg (Profit) des Unternehmens beteiligt werden. Damit nimmt man ihnen die Verantwortung für wirtschaftliches Arbeiten. “Wenn einer verantwortlich ist, gewöhnen sich alle daran.” (A. Gillert).
    Social Media (nennen wir es Web 2.0) kann wesentliche Produktivitätssteigerungen herbeiführen, wenn Unternehmen mit Kontrollverlust, Transparenz und quasi demokratischen Prozessen umgehen können. Dann löst sich auch die Frage nach der Flexibilisierung der Arbeit: wenn Ergebnisorientierung und nicht Anwesenheit zählt.

    Wissensarbeiter werden immer frei sein – http://www.hermanngasse.com/stories/31963/
    Ausserhalb der Inbox denken – http://www.hermanngasse.com/stories/31356/

  2. Angela Fritz , am 04.11.2008 um 10:44

    Lieber Herr Nitz,

    genau das habe ich gemeint: Seit der industriellen Revolution gäbe es erstmals die Möglichkeit, die Selbstbestimmung zurückzugewinnen. Arbeit, für die wir bezahlt werden, könnte ganz natürlicher Bestandteil unseres Lebens sein – nicht etwas, was parallel zum privaten Leben laufen muss. Wenn ich glaube, Frauen sollten sich hier mehr engagieren, so deshalb, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass Männer sich mehr über Job und Position definieren – und so die Arbeit zu Hause vielleicht weniger wertvoll eingestuft wird.

    Das Bewusstsein für ‘wirtschaftliches Arbeiten’, das Sie ansprechen, sehe ich noch sehr wenig – leider.

    Beste Grüße
    Angela Fritz

  3. Oliver , am 04.11.2008 um 11:02

    Liebe Frau Fritz,

    das stimmt. Aber es gibt bereits ein paar sehr gute Beispiele für Unternehmen, die ergebnis- und communityorientiert arbeiten. Was meine ich damit: Unternehmen, die sich die persönlichen Netzwerke ihrer Mitarbeiter (vorbei an vorgegebenen Hierarchien, auch hin zum Kunden) zunutze machen und Arbeit flexibilisieren, können dadurch Wettbewerbsvorteile schaffen: sie sind innovativer, schneller und v.a. näher am Kunden.
    Gute Beispiele sind Best Buy, Whole Foods (beide USA), Semco (Brasilien), Synaxon, Coremedia (beide Deutschland) oder Kessels & Smit (Niederlande). Alle Unternehmen verändern nicht nur ihre Arbeitswelten sondern nehmen Mitarbeiter auch mehr in die Verantwortung.

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