OTSconnect, die Zweite
geschrieben am 28.08.2008 um 18:29 von Karin Thiller in der Kategorie Dos and Don’ts, Events, Online, TrendsAm Mittwoch fand also unsere zweite OTSconnect Veranstaltung statt, diesmal widmeten
wir uns – wieder im wunderschönen Studio 3 im ORF-Funkhaus – dem Thema Online-Journalismus. Sind Arbeitsabläufe und Organisation einer Printredaktion für PR-Leute noch halbwegs durchschaubar, stellen Online-Redaktionen oft eine Art Blackbox dar. Keinen persönlichen Ansprechpartner, lauter Junge, arbeiten Tag und Nacht, haben nie Zeit und man kann sie nicht anrufen… So lautet die gängige Vorstellung von einer Online-Redaktion. Wir wollten es genauer wissen und luden drei Leiter/innen von Online-Redaktionen zur Diskussion. Elisabeth Zankel, Chefredakteurin von Vorarlberg Online, Alexis Johann, Online-Ressortleiter beim Wirtschaftsblatt, und Marcus Hebein, APA-Multimedia-Leiter, standen am Podium, Alrun Mayer, Marketing-Leiterin von APA-OTS moderierte die Diskussion vor ca. 70 jungen PR-Treibenden.
Die drei Journalist/innen aus drei doch recht unterschiedlichen Medien waren sich in einigen Punkten völlig einig: Schnelligkeit ist ein absolutes Muss, multimediale Inhalte, Videos, Podcasts, Fotos, haben definitiv beste Chancen in Online-Medien unterzukommen. Wenn sie ganz spezifisch zur Linie des Mediums passen – umso besser. Das ist die gute Nachricht für PR-Leute. Es gibt aber auch eine weniger gute: Online-Redakteure stöhnen, wie Journalisten in anderen Medien auch, über die Flut an Informationen, die an sie herangetragen werden. Mehrere hundert Mails täglich sind keine Seltenheit – und für niemanden zu bewältigen. Wie bei Print-Redakteuren entscheidet oft die Qualität und Aussagekraft der Betreffzeile, damit ein Pressetext überhaupt wahrgenommen wird.
Spannend auch das Thema Quellen. Weit vorne in der Nutzung immer noch APA-Nachrichten, gerne wird auch der OTS-Dienst verwendet, vieles kommt – trotz der Vorbehalte – per Mail, aber immer öfter werden auch Weblogs und Wikipdia als ergänzende Quellen für die Themenfindung genutzt.
Interessante Infos gab es auch zur Organisation von Online-Redaktionen: verfolgt das Wirtschaftsblatt eine strikte „online first“-Politik, wird bei Vorarlberg Online mit den Print-Medien abgestimmt, aber auch durch Reporterteams selbst produziert. Auf Nutzerzahlen und Zugriffe wird reagiert und bei Bedarf auch die Seite umgestellt, sagt uns Alexis Johann vom Wirtschaftsblatt.
Alles in allem eine lebhafte und kurzweilige Diskussion, anschließend gab es noch etliche Wortmeldungen und Fragen aus dem Publikum, und auch diesmal wurde deutlich, dass das Verhältnis Journalismus und PR zwar von Wertschätzung getragen, aber durchaus nicht ganz spannungsfrei ist.
Ach ja, und persönlicher Kontakt mit einem Online-Redakteur ist tatsächlich nicht ganz einfach, das Tempo einer Online-Redaktion erlaubt keine langen Abwesenheiten.
Für uns – OTS – viel Stoff zum nachdenken. Wie können wir Online-Redaktionen noch besser erreichen? Wie können wir unsere Kunden dazu bringen, mehr multimediale Inhalte zu liefern? Wie können wir noch zielgenauer in der Belieferung der Medien mit PR-Inhalten werden?
Für alle die nochmals die wichtigen Statements und Meinungen unserer Online-Experten hören wollen, gibt es jetzt auch einige Audio-Files von der 2. OTSconnect zum Nachhören.
Tagesabläufe in Online-Redaktionen
Zusammenarbeit mit PR-Agenturen
- Elisabeth Zankel: Zusatzmaterial, Handy-Einsatz
- Alexis Johann: Quellen, E-Mails, Rückfragehinweis
- Markus Hebein: Zusammenarbeit, Erreichbarkeit und Mails, Videoformate, Entwicklung neuer Dienste
Informationskanäle/Suchmaschinen und Zugriffstatistiken
- Elisabeth Zankel: Informationskanäle
- Alexis Johann: Quellen und Statistiken
- Markus Hebein: Internet als zusätzliche Quelle
Fragen
- optimale Formate für Videos
- Kontaktaufnahme mit Journalisten
- optimale Zusammenarbeit mit PR-Agenturen
- “Abneigung” gegen PR-Agenturen
- Wertigkeit von Print vs. Online
Den gesamten Mitschnitt der OTSconnect gibt es auch wieder. Und zwar hier. Nächste OTSconnect am 22. Oktober zum Thema audiovisuelle Medien.

Ergänzung zum Thema Wertigkeit Print / online: Im Anschluss an die Veranstaltung habe ich
gehört, dass bei Online-Webseiten das Datenmaterial fehlt, um die Effizienz der PR genau zu messen. Sprich: Wie lange war der Artikel wo präsent (Mediawert). Wieviele Zugriffe gab es.
Online ist ein Medien, das im Gegensatz zu Print tatsächlichen Kontakt herstellt bzw. misst.
Online-Medien könnten diese Daten natürlich zugänglich machen. Das ist nicht ganz ohne Aufwand, aber möglich. Gibt es für so ein Tool, das Auswertungen über den Mediawert von Themen liefert, Interesse? Welche Daten muss das Tool liefern, um die Anforderungen Ihrer Kunden zu erfüllen?
Herzlichen Dank noch einmal an die APA für die tolle Veranstaltung und die gelungene Nachberichterstattung!