Pressefreiheit ist unteilbar – Menschenrechte auch

geschrieben am 23.04.2008 um 16:05 von Fred Turnheim in der Kategorie Journalismus
Fred Turnheim

In welcher Zeit leben wir eigentlich? Wir erleben gerade die beginnende Hochblüte der Kommunikationsgesellschaft. Zu kommunizieren ist heute für den Menschen so einfach – wie noch nie.

Doch sichtlich gibt es wichtigeres für uns. Die Maximierung des Gewinns. Die Diskussion über Menschenrechte, Olympische Spiele, China und Tibet ist ja nur die Spitze eines Eisberges, der nicht kleiner sondern immer größer wird. In Aserbaidschan werden Journalisten von Schlägerbanden und Justiz bedroht. Im Kosovo wird die Tageszeitung “Koha Ditore” wegen der angeblichen Veröffentlichung eines internen EU-Dokuments von der Kommission scharf gerügt. (Eigentlich solle die EU dem Land helfen ein demokratisches Pressewesen aufzubauen.) In Minsk wird ein Fotoreporter brutal von der Polizei zusammenschlagen und verhaftet. Erst durch meine Protestaktion, die auch über APA-OTS und die APA gegangen ist, konnten wir unser Mitglied aus den Klauen des weißrussischen Staatsapparates befreien.

In welcher Zeit leben wir eigentlich? Die Überwachung der Internet- und Telefondaten durch den Staat erschweren bereits sehr die unabhängige Arbeit von sensiblen Berufsgruppen, wie Ärzten, Rechtsanwälten und Journalisten und sind deshalb aus der Sicht des Österreichischen Journalisten Clubs abzulehnen.

In welcher Zeit leben wir eigentlich? Die größten Gefahren in der freien Berichterstattung sind aber die Schere im eigenen Kopf und die wirtschaftliche Zwänge in den eigenen Medien. So ist vor wenigen Tagen, nur vier Monate nach der Übernahme des “Wall Street Journal” durch den Medienmagnaten Rupert Murdoch, der langjährige WST-Chefredakteur Marcus Brauchli von seinem Posten zurückgetreten.

In welchen Zeiten leben wir eigentlich? Die Affäre über die Veröffentlichung der Dokumente im Fall Kampusch von mehreren Tageszeitungen zeigen auch in unserem Land, wie schwierig der Umgang mit freier Information geworden ist. Natürlich ist Frau Kampusch absolut in ihrer Privatsphäre zu schützen. Sind aber auch ihre Peiniger deshalb schützenswert?

Die Menschenrechte sind unteilbar, die Pressefreiheit aber auch.

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Ein Kommentar RSS 2 zu Kommentaren abonieren

  1. ots bloggt. - Redcross Webmaster's Blog , Trackback am 23.04.2008 um 19:25

    [...] habe ich dort gleich vorbeigeschaut.  Unter dem Titel “Pressefreiheit ist unteilbar – Menschenrechte auch” schreibt beispielsweise ÖJC-Präsident Fred Turnheim einen Kommentar.  Auch Karin Thiller, [...]

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