Marktforschung missbraucht
geschrieben am 30.07.2009 um 11:04 von Emanuel Maxl in der Kategorie Marketing, Medien, Online„Wie lautet der aktuelle Werbeslogan der Lottomillionen? Freude am Fahren oder Reicher als Reich?“ Nichtsahnend beantworten Menschen diese Fragen am Telefon, im guten Glauben, an einer Marktforschung teilzunehmen. Irrtum. Eine Marketingfirma ködert, neue Kunden, denen eine Gewinngarantie versprochen wird, im Auftrag einer österreichischen Lotteriegesellschaft.
Eine nette Dame am Telefon sagt, sie führt eine Umfrage durch und möchte einen Termin für ein persönliches Interview mit mir vereinbaren. Es geht um das Thema “Geldrückholaktion”. Schließlich stellt sich eine Versicherungsberatung für Privatpersonen der Uniqua-Versicherung heraus.
Parship.at wirbt derzeit exzessiv auf großen österreichischen Online-Portalen mit Bannern, die wie Fragebögen gestaltet sind. Beim Versuch diesen auszufüllen, kommt man beim ersten Klick auf die Website von Parship.at mit der Aufforderung, das letztlich kostenpflichtige Service in Anspruch zu nehmen. Die SPÖ hatte im vergangen Nationalratswahlkampf Wiener Haushalt angerufen, scheinbare Forschungsfragen gestellt, um schließlich Wahlwerbung zu betreiben.
Nur einige Beispiele von Marketingaktivitäten, bei denen die Marktforschung als Lockinstrument missbraucht wird. Das ist fatal. Weil es unehrlich ist und ganz klar gegen berufsethische Regeln der Marktforschung verstößt. Marketing und Marktforschung sind strikt zu trennen und die Menschen, die man kontaktiert, entsprechend zu informieren.
Welche Auswirkungen hat ein Verhalten wie oben beschrieben? Kurzfristig möglicherweise einen ökonomischen Erfolg. Aber Lügen haben kurze Beine und Konsumenten lassen sich nicht immer täuschen. Irgendwann erkennen sie den Schmäh und fallen nicht mehr drauf herein. Sie verweigern Antworten. Und das ist existenzbedrohend für die Markt- und Meinungsforschung in Österreich. Denn wir leben von den offenen, ehrlichen Meinungen der Menschen.
Deshalb ist uns eine bestmögliche Vertrauensbasis zu den Menschen mit denen wir reden so wichtig. Es soll ein faires Geben und nehmen sein. Wir bekommen Informationen, die Menschen dadurch bessere und neue Services, Produkte und letztlich Wissen über Märkte und soziale Gemeinschaften. Wir verkaufen den Menschen keine Produkte über das Telefon oder Internet. Marketing unter dem Deckmantel der Marktforschung lehnen wir daher strikt ab.
Meine Empfehlung ist, wenn unbekannte Agenturen anrufen und man unsicher ist, ob es sich tatsächlich um Marktforschung handelt, nachzufragen, welches Institut dahinter steckt. Auf www.vmoe.at sind die VMÖ-Mitgliedsinstitute verzeichnet, die sich alle zum Standes-Codex ESOMAR verpflichtet haben. So können schwarze Schafe von seriöser, wissenschaftlicher Markt- und Meinungsforschung unterschieden werden.
Falls auch Sie einen Fall von scheinbarer Mafo, die in Wahrheit Direktmarketing und Verkauf ist, erleben, schicken Sie uns bitte ein e-mail darüber an. Wir sammeln die Fälle und werden entsprechende Schritte setzen.

was diesen firmen zugute kommt ist der überraschungseffekt. oftmals ist man nicht darauf vorbereitet oder erwartet einen anderen wichtigen anruf, auf den man sich schon innerlich vorbereitet hat. gut, dass es möglichkeiten gibt, der sache auf den grund zu gehen!
es ist teilweise erschreckend wie kunden und kundinnen hinters licht geführt werden.
„Wie lautet der aktuelle Werbeslogan der Lottomillionen? - Freude am Fahren oder Reicher als Reich?“ Zweimal im Abstand von etwa 3 Monaten bekam ich diese Frage am Telefon gestellt. Beide Male antwortete ich konsequent “Das muss A sein, Freude am Fahren”. Beim ersten Mal war der Fragende noch irritiert und fragte noch ein paar Mal nach, ob ich auf meiner Antwort bestünde, erst als ich ihm klar gemacht hatte, dass meine Antwort “Freude am Fahren” ist, wurde mir ein möglicher Trostpreis in Aussicht gestellt. Beim Zweiten Anruf kam ich mit meiner Antwort “Freude am Fahren” gleich unter die 9.999 Glücklichen, die in die Trostpreis-Auswahl kommen würden
Also eigentlich eh immer alles GewinnerInnen auf dieser Welt.