05.11.2008 | 12:20 PM | Kategorie:
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Obama – Präsident der Internetgeneration

Es war ein sensationeller Wahlkampf und wurde zu einem emotionalen Triumph.

Heute Nacht wurde gewählt. Das Ergebnis mit 52 Prozent zu 47 Prozent ist respektabel und deutlich, liegt aber weit hinter dem wahrgenommenen, und vor allem gefühlten, Unterschied zurück. Das liegt an den Rahmenbedingungen wie dem ersten schwarzen Präsidenten der USA,  einem perfekten Kampagnenaufbau von “CHANGE” zu “Yes we can” und an Obama selbst, aber vor allem an der ausgelösten Emotionalität.

Inserate, Artikel, Statements determinieren eine inhaltliche Position und festigen sie, Video Botschaften hingegen berühren und vertiefen. Natürlich gab es schon früher Materialschlachten, in denen in Sekunden Sendezeit für Spots gemessen wird (wenn auch nicht in diesem Ausmaß). Was allerdings noch nie in dieser Konsequenz da war, ist die Hinwendung an das Internet und Webtv als zentraler Angelpunkt der gesamten Kampagne (800 Mio. Dollar Wahlkampfspenden aus einer Website zu generieren ist vorher noch nie gelungen und wird auch schwer zu toppen sein).

Von 2006 auf 2007 stieg die Nutzung von Videocontent in den USA um 60 Prozent und im selben Ausmaß stieg auch das Momentum ein Jahr später in der Kampagne. Webtv brachte Obama den strategischen Vorteil: Bewegtbild transportiert die Botschaft und schafft emotionale Berührung und Bindung. Kerngruppen können sich, wann immer sie wollen, die nötige Vertiefung und Bestätigung holen, Hoffnungsgruppen erleben eine erste authentische Berührung und werden ganz einfach bewegt. Entscheidend in der Schlacht war auch die Unabhängigkeit von der Medienmacht der gegnerischen Seite. Spielte die eindeutige Linie foxnews und anderen bei George Bush noch eine entscheidende Rolle konnte Obama dem das eigene Portal und Youtube entgegenstellen. Getragen von der Professionalität seines Teams, den finanziellen Ressourcen und einer Generation die Web 2.0 als Video 2.0 versteht.

In der Gruppe der 18 bis 29Jährigen erzielte Obama 66 Prozent gegenüber 32 Prozent – und das spricht eine eindeutige Sprache.

Obama wurde mit der Emotionalität des Webtv zum Präsidenten der Internetgeneration.

5. November 2008, 01:13

Genau zu dem Thema (neue Medien und warum Obamas Wahlkampf von Anfang an so erfolgsversprechend war) gibt es jetzt auch ein Buch von der Initiative ProDialog, das gestern (ironischerweise) auch im Fernsehen vorgestellt wurde: http://prodialog.org/content/publikationen/buecher/obama

7. November 2008, 11:44

Zum Thema Video-Content möchte ich noch auf eine Studie („Bewegtbildstudie 2008“) hinweisen, die die Uni Leipzig unter der Leitung von Prof.Dr. Ansgar Zerfass (Kommunikationsmanagement/PR) und Priv.-Doz. Dr. Harald Rau
(Journalistik) in Zusammenarbeit mit unseren deutschen OTS-Kollegen (der dpa-Tochter newsaktuell) gemacht hat: http://www.bewegtbildstudie.de,
http://de.youtube.com/watch?v=0JALOwCIt7w.

Auch das Medianet hat sich gestern übrigens des Themas angenommen: http://www.medianet.at/content17690-44.html

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