28.09.2009 | 10:01 AM | Kategorie:
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Public Relations als Rhetorische Kommunikation

Die Rhetorik ist eine der ältesten Wissenschaften. Sie entstand bezeichnender Weise während der Beseitigung der Tyrannei in Syrakus und Athen, als Interessensgegensätze in wirtschaftlichen, rechtlichen oder politischen Belangen erstmals öffentlich ausgetragen wurden.

Aus der Rhetorik entwickelte sich die Argumentationslehre, die Philosophie, die Logik und damit – je nach Standpunkt – praktisch alle weiteren Geistes- und Naturwissenschaften. So alt wie die Rhetorik ist auch die erbitterte Ethik-Streiterei zwischen den „Wahrheitssuchern“ (Aristoteles) versus den „Wahrheitsverneblern“ (die Sophisten bei Platon).

Sehen wir uns heute den landläufigen Ruf eines PR-Beraters an, so ist er vielerorts kaum besser als es jener der Sophisten in ihrer schlimmsten Zeit war. Es hat sich an dieser Lage also seit über zweieinhalbtausend Jahren im Grunde nichts geändert. Wird es wohl auch nicht so schnell.

Nur in den letzten beiden Jahrhunderten lag die Rhetorik als „Theorie und Praxis wirkungsbezogener Kommunikation“ in einem tiefen Dornröschenschlaf. Sie ist aus diesem vor bereits etlichen Jahren wieder wach geküsst worden, und zwar von gleich mehreren Prinzen aus unterschiedlichen Disziplinen wie der Kommunikation, der Psychologie, der Sprach-, Literatur und Politikwissenschaft, aber auch der Ökonomie & Marketingwissenschaften, der Erkenntnistheorie, Soziologie, Anthropologie usw.

Allein bei uns PR Praktikern, die im Grunde genau das lernen, tun und lehren, was die Rhetorik in ihrer integrativen Gesamtheit bietet, schläft sie als Disziplin ihren unverdienten Dornröschenschlaf weiter – ob in PR-Lehrgängen in oder außerhalb der Universität, in den Programmen von PR Interessensvertretungen, wie etwa im PRVA, und damit vor allem auch in der innerfachlichen Bildung unserer Branche. Im Interesse aller sollten wir das ändern!

30. September 2009, 07:26

„Werbesprech“ wird schon zu lange mit Rhetorik verwechselt. Meiner Meinung nach es sollte aber bei PR primär darumgehen, für etwas öffentlichkeit zu schaffen – nicht es zu verkaufen. Das kauft uns das p.t. Publikum ohnehin schon lang nimmer ab…..

1. Oktober 2009, 09:21

Ein solcher Vorstoß von einem PR Berater kann nur gutgehißen werden. Für einen Journalisten und Radio Moderator gehört das gepflegte Wort zum täglichen Brot, denn nur durch Qualität und Niveau in der Sprache ist ein deutliches Abheben vom Mainstream möglich und auch wüschenswert!

1. Oktober 2009, 09:03

Die Worte gutheißen und wünschenswert hätten eigentlich auch nach einer Frühsendung keine großen Probleme bereiten sollen… Hiermit seien diese kleine Sprachverirrungen korrigiert!

1. Oktober 2009, 12:19

Schließe mich den Kommentaren soweit an, mit einer einschränkenden Anmerkung:
Rhetorische Kommunikation ist genau so wenig „Werbesprech“ wie „Schönsprech“ (die Rhetorik wird damit leider noch immer verwechselt). Die gewünschte Wirkung zählt.
Und ob die mit einem sympathischen Stottern, auf den Tisch hauen, Übertreibung, Understatement, Schweigen oder einer geschliffenen, brillanten Rede erreicht wird, ist einerlei. Allen Mitteln gemeinsam ist nur eines: Das „p.t. Publikum“ riecht’s, wenn sie nicht authentisch sind.

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