07.11.2012 | 5:29 PM | Kategorie:
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Berichtigung

Der Umgang mit Fehlern ist in allen Bereichen ein Gradmesser für vieles. Im persönlichen Bereich ein Gradmesser für wahres Stark- oder Schwachsein und wahre Integrität. In Unternehmen ist die Fehlerkultur ein Gradmesser für das Vertrauen der Führungskräfte in sich selbst und ihre gefühlte Akzeptanz im Team sowie ein Gradmesser in das Vertrauen und Zutrauen der Mitarbeiter untereinander – nach oben wie unten.

Im Medienbereich sind Fehler noch einmal etwas anderes – auf Grund ihres wirkungsverstärkenden Hebels. Falsche Berichterstattungen beschäftigen deshalb laufend unsere Gerichte. Zu Recht. Denn es geht dabei meist um mehr als nur persönliche Befindlichkeiten. Das Wiedergutmachen von falschen Berichten nennt sich dann „Berichtigung“ – die oftmals erzwungene Fehlerkorrektur.

Doch so wie im persönlichen Bereich oder in Unternehmen können rechtliche Zwangskorrekturen von Fehlern auch in der Medienwelt nur das Allergröbste wieder „zu Recht“ rücken. Denn schließlich zeichnet sich eine Medienkultur – wie andere Kulturen – vor allem dadurch aus, was ein Medium freiwillig, ohne gerichtlichen Druck „berichtigt“, wenn es beispielsweise seine Leser, Hörer oder Zuseher, aus welchen Gründen auch immer, falsch informiert hat.

Ein verstörendes Beispiel, das ich dazu in den vergangenen Wochen aus nächster Nähe erlebte, war das Österreich weite Bubbletea Bashing nach einer mehr als fragwürdigen Untersuchung in Deutschland, die angeblich Giftstoffe im Bubbletea entdeckte. Deren Ergebnisse wurden nach rund vier Wochen in Kontrolluntersuchungen von mehreren amtlichen Stellen widerlegt. Ohne ziemlich interessanten Begleitumständen hier näher auf den Zahn fühlen zu wollen – oder dass sich Bubbleteas genau so überzuckern lassen, wie ein Eiskaffee –, möchte ich dazu eines sagen: Die medial gehebelte Falschaussage vom „giftigen Bubbletea“ hatte den Ruin zahlreicher junger Kleinunternehmer zu Folge.

Ja, ich kenne schon die Gegenargumente: Das ist nun einmal das Wesen der freien Medien, dass sich Themen oft verselbständigen, dass PR-Lawinen im Guten wie im Schlechten losgetreten werden können. Shitstorms happen. Nur: Wenn Ministerien mit Kontrolluntersuchungen den Shit berichtigen, sollte das dann ebenfalls kommuniziert werden. So geschehen – selbstverständlich? – in Deutschland. Nicht geschehen in Österreich, obwohl sich die österreichischen Medien nahezu geschlossen an dieser Lawine beteiligten. Nur um das nochmals klar zu trennen: Ich beklage nicht die Lawine. Ich beklage das mangelnde Fehlerkulturverständnis aufgrund dessen es hier zu Lande möglicherweise noch ein paar weitere Jungunternehmer „erwischen“ wird. Und ich bin auch nicht gewillt, diese Unkultur mit Deutschland als „Vorzeigebruder“ – noch dazu als den braveren, größeren – zu vergleichen. Fällt uns dazu nichts Besseres ein?

14. November 2012, 12:07

Cui bono? Über die Hintergründe der Fake-Untersuchung darf weiter gerätselt werden … „Fake“, weil diese neue Untersuchungmethode zuvor noch nie (!) an Lebensmittel eingesetzt wurde und diese so sensibel ist, dass kleinste Größen auf Molekularebene damit entdeckt werden, wie sie sogar in der Luft vorkommen. Über die Konzentration der gefundenen „Substanzen“ wurde jedoch – naturgemäß –
keine Angaben gemacht.

Bitte dazu lesen:
http://www.suedkurier.de/region/nachbarschaft/freiburg/Bubble-Tea-Laeden-kaempfen-um-ihre-Existenz;art372515,5770732

1. Dezember 2012, 02:32

langsam sickert’s …
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1785922/Bubble-Tea-ist-kein-Gift-#/beitrag/video/1785922/Bubble-Tea-ist-kein-Gift-

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