29.06.2009 | 12:27 PM | Kategorie:
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Social Media als Teil der Unternehmenskommunikation – Viele Fragezeichen

Wer nicht twittert, bloggt oder zumindest einmal am Tag sein Facebook-Profil aktualisiert, ist hinten nach oder gilt vielleicht sogar als Skeptiker von Social Media? Dafür gibt es auch gute Gründe, denn alle „Gurus“, die Social Media in die Unternehmenskommunikation reklamieren, bleiben die Antworten auf wichtige Fragen schuldig. – Etwa auf jene: wie groß der Anteil der Ressourcen einer Kommunikationsabteilung sein solle, der aus dem Gesamt-Mix der Kommunikationswerkzeuge – idealerweise – auf Social Media zu entfallen habe?

Doch die Präsenz eines Unternehmens in Social Media wurde und wird nicht über Kommunikationsabteilungen getriggert. – Es sind die Mitarbeiter und andere Stakeholder eines Unternehmens, die hier das Heft in der Hand haben. – Hier stehen wir in der Unternehmenskommunikation vor der vielleicht größten Herausforderung: Wird die mühsam durch langwierige Bewusstseinsbildung, Richtlinien und vielleicht auch Sanktionen erarbeitete Praxis, dass alle Kommunikation, vor allem extern, zentral über die Kommunikationsabteilung laufen soll, plötzlich über Nacht obsolet?

Wenn jeder Mitarbeiter, frei von der Leber, seine Sicht der (Unternehmens-)Dinge auf Foren und dergleichen kommentiert, wo bleibt die abgestimmte Unternehmensbotschaft an der Corporate Communications so lange gefeilt haben? Was wird aus „One voice – one company“? – Bringt uns die unkontrollierte Teilnahme an Blogs eine kommunikative Anarchie?

Klar ist, dass Social Media und das umfassende Integrieren in die Unternehmenskommunikation ganz neue „Spielregeln“ braucht und die bisherigen Policies auf den Prüfstein stellt. – Klar ist aber auch, dass interne Kommunikation an Bedeutung gewinnen wird, da nur dann die Chance besteht, dass Mitarbeiter in ihrer kommunikativen Präsenz im Web zumindest  teilweise auch die Positionen des Unternehmens mittransportieren.

Was den Aufwand betrifft, den Unternehmenskommunikation in die aktive Präsenz in Social Media investieren soll, so hängt dieser sehr von der Branche ab und davon, welche Stakeholder man erreichen möchte. Und noch etwas: der Aufwand ist primär ein zeitlicher/organisatorischer. Finanziell kann sogar gespart werden! Etwa bei Trendforschungen. Denn nirgendwo sonst hat man das „Ohr“ so nahe an der (zumindest) Web-Community und erfährt, was „draußen“ Thema ist. Viele Werkzeuge zum Monitoren von Blogs sind mittlerweile kostenlos oder sehr preiswert (z.B. www.scoutlabs.com).

Der erste Schritt in Richtung Social Media beginnt mit dem Beobachten. Der Zweite dann ist die Teilnahme in jenen Medien, die eine kritische Größe erreichen und für das Unternehmen, dessen Produkte oder dessen Image von Relevanz sind. Es braucht eine klare Governance im Unternehmen und eine Policy, die die Teilnahme regelt. Börsennotierte Unternehmen sind hier besonders gefordert. – Dennoch gilt: Keine Scheu vor Fehlern, denn bei Social Media gilt: „everything is always in beta“. Nicht der perfekt ausformulierte Text zählt, vielmehr sind Geschwindigkeit und Authentizität gefragt.

Bei allen Fragezeichen sollte der Fokus aber auf die Chancen gerichtet sein, die die neue Art der Kommunikation mit sich bringt. – Die Frage ist nämlich längst nicht mehr, ob man sich dieser neuen Herausforderung stellen möchte, sondern längst schon: Wie man als Unternehmen den Ball am besten auffängt?

29. Juni 2009, 03:52

Guten Tag Herr Teichert,

Sie beschreiben den „ungedeckten Graben“ oder Hürde, den wohl jedes Unternehmen auf dem Weg zum multimedialen Unternehmen sprich E2.0 gehen wird. Die Frage die sich stellt ist ja längst nicht mehr, OB sondern WIE über die Firma gesprochen wird. Ich denke an Produkt- aber auch Arbeitgeber-Bewertungsportale. Vielleicht wird im 3.ten Jahrtausend auch von Azubis, Fachkräften und Hochschulabgängern eine solche offene Firmenpolitik erwartet.

Meines Erachtens gibt es bei jedem loyalen Mitarbeiter eine Form „von Beisshemmung“ allzu intimes öffentlich zu machen – gleiches gilt übrigens auch für interne Wikis und Co.. Regeln sind gut, werden aber sicherlich nicht jeden Praxisfall abdecken.

In einer Welt/Zeit der austauschbaren Produkte wird „der Menschen dahinter“ immer wichtiger. Kenne ich die Werte, das „Made in Germany“ – warum ich gerade diese Produkte bevorzuge, so hinter ihm stehe. Für mich ist die Zielgruppe von Web 2.0 Botschaften gänzlich eine andere, als jener der klassischen Unternehmens-PR. Was gilt mehr: Fachberichte oder Erfahrungen aus Anwender-Foren? Woran orientiere ich mich zunächst: am Unternehmens-Web-Image oder an der Hochglanz Alles-über-uns Broschüre?

Web 2.0 hat das erreicht, worauf wir alle bei Web 1.0 gehofft hatten.

Jeder ist Netzwerker – was früher „Mundpropadanda“ oder „Klatsch“ war, generiert heute Mehrwert und eröffnet eine Vielzahl neuer Geschäftsmodelle. UnternehmER/INNEN sollten Web 2.0 Gourmets werden und Web 2.0 Businesspläne aufstellen!

Vor allen Dingen ihre Markenrechts-Claims abstecken, um die Botschaft des Unternehmen SELBST und nicht von anderen entstehen zu lassen….

29. Juni 2009, 05:28

[…] Social Media als Teil der Unternehmenskommunikation – Viele Fragezeichen Trotz aller Begeisterung für die neue Welt der Social Media bleiben die sog. Experten der Szene wesentliche Antworten schuldig. Beispielsweise, wie hoch der Anteil am Kommunikationsmix sein sollte. Wie man die Mitarbeiter, die ja nun die neuen Stimmen des Unternehmens sein sollen, überhaupt in die Lage versetzt, dies auch tatsächlich zu sein. Nachdenken über neue Spielregeln der K. (tags: socialmedia Twitter PR) […]

2. Juli 2009, 05:47

…weil es grad so schön passt: „PR meets the blogosphere“ – eine vom PRVA ausgezeichnete Diplomarbeit von Dominik Wieland, Uni Salzburg aus dem Jahr 2008
http://www.prva.at/index.php?id=464

…obwohl, manchmal denk ich mir schon: hamma keine anderen Themen auf dem Globus als wo schreib ich was und wie kommunizier ich mit dem und welche personality verpass ich mir im web und bin ich als Unternehmen gut präsent und schreibt ja niemand was böses über mich in einer community und so weiter und so fort… Es scheint die Nabelschau zu sein, die so faszinierend ist – die scheinbar „große“ Kommunikation (im Sinne von klassischer PR-Tätigkeit) glauben alle im Griff zu haben (tagtägliche Konfrontation mit den dramatis personae beweist leider allzu oft das Gegenteil); die kleine und unkontrollierbare (DAS Thema social networks, twitter, blogs, etc. – obwohl: gerade die geht um die Welt und ist daher „groß“!) ist nicht greifbar, deshalb dreht sich alles um sie – läuft man da nicht oft Gefahr, das Große Ganze aus den Augen zu verlieren, wenn man den berühmten Sack Flöhe zu hüten versucht?

…bin mal gespannt, ob ich damit irgendwelche Reaktionen auslöse…

3. September 2009, 02:28

Ich schließe mich hier der webfee völlig an.
Denn ob Mitarbeiter das Unternehmens Image im WEB 2.0 oder in der Realität schädigen, bleibt eigentlich egal. Denn so oder so, beeiflusst es die andere Welt. Hier nehme ich mir das Recht heraus, immer noch zwischen Realität und Web 2.0 zu unterscheiden – obwohl traurigerweise, für manche Menschen, bereits eine Fusion statt gefunden hat. Was andererseits legitim ist, immerhin werden beide Welten voneinander maßgeblich beeinflusst.

Deswegen ist es viel mehr meine Meinung, sich weniger Gedanken zu machen, wie man schlechtes Gerede vermeiden – wenn nicht sogar – kontrollieren kann, sondern viel mehr präventiv dafür sorgt, dass Mitarbeiter keinen oder wenig Grund haben schlecht über Firmen und Produkte zu kommunizieren. Deswegen ist hier – endlich – das Zeitalter der internen Kommunikation – als Königsdisziplin am Schachzug.

Im Zuge von laufenden Top Down Entscheidungen, wo auch Unternehmensimage -selten angepasst an tatsächlicher Unternehmenskultur – entschieden werden, ist es klar, dass sich Mitarbeiter irgendwo Luft holen müssen, und diese holt man sich dann in der Außenwelt, oder taucht in die Anonymität ein. Wären für Unternehmensimage Entscheidungen – Mitarbeiter selbst wichtige Träger (alla bottom up Prozesse) – so würden Mitarbeiter kaum ein schlechtes Bild vermitteln – somit würden sie sich selbst leugnen.

Aber von einen anderem Punkt betrachtet. Glaubt ihr nicht, dass in diesem Third Space – sich Mitarbeiter tatsächlich noch immer über die Arbeit beklagen möchten? Oder haben sie eventuell auch noch andere Sorgen. Ich als aktiver Social Network Nutzer, hätte noch nie jemanden schlecht über seinen Arbeitgeber schreiben gelesen – oder liegts an der übertriebenen Kontrolle von Unternehmensseite? Welche Mitarbeiter fürchten lässt im WEB 2.0 kontrolliert zu werden?

Aber zerbrechen wir uns nur weiterhin den Kopf über die etwaige Kontrolle und Verhinderung Konsequenzen aus Social Networks witzigerweise über Social Networks .-)

Herzliche Grüße, Mutliple Persönlichkeit

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