04.11.2014 | 4:03 PM | Kategorie:
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Die 2-Klassen-Veranstaltungs-Besucher

Vor einiger Zeit war ich auf einem Event, das man als Netzwerkevent oder auch Verkaufsveranstaltung bezeichnen kann – also eine Veranstaltung, bei der sich Firmen potenziellen Kunden mehr oder weniger präsentieren. Nichts Besonderes, solche Veranstaltungen gibt es sehr viele, sind sie doch eine sehr effektive Möglichkeit, die eigenen Produkte an die Kunden zu bringen.

Da es aber dermaßen viele Events gibt, die darauf abzielen, Geschäft zu generieren, ist es für die Event-Organisatoren umso schwieriger, die richtigen Personen einzuladen. Also die passenden Personen einladen ist ja noch nicht so schwierig, aber dass diese dann auch kommen und die Veranstalter sofort wissen, wer die einzelnen Personen sind, das ist schon ein wenig schwieriger.

Bei Letzterem, also dem Erkennen der Personen, habe ich in letzter Zeit eine interessante Entwicklung erkennen können.

Wahrscheinlich gibt es das schon länger, aber mir ist es erst vor Kurzem aufgefallen: ein färbiger Punkt auf dem Namensschild.

Punkte auf Namensschildern und Badges haben auf jeden Fall eine Bedeutung. Aber welche? Ich war bei einem Event, das zum Ziel hatte, verschiedene Unternehmen, nennen wir sie Aussteller, mit Entscheidern zusammenzubringen. Da ich von Natur aus eine gesunde Neugier besitze und ich mich bei Produkten, Dienstleistungen oder eben solchen Kennzeichnungen, die ich mir nicht erklären kann, frage, was sie bedeuten, muss ich diese Frage jemandem stellen, der sich damit auskennen sollte. Also in diesem Fall die Aussteller, weil die Bedeutung des Punktes sollten die Aussteller ja kennen. Die haben den Punkt ja schließlich finanziert.

„Keine Ahnung“ war die Antwort.

Hm … Komisch. Was hat es für einen Sinn, eine Kennzeichnung auf einem Namensschild zu platzieren, wenn die Leute, die sich dabei etwas Bestimmtes denken sollten, nicht wissen, was sie sich dabei denken sollen?

Also weiter gefragt und irgendwann wusste ich dann, dass die eine Farbe „die Entscheider“ und eine andere Farbe „die Begleitung“ der Entscheider kennzeichnete. Also eine „wichtige“ und eine „Nur-keine-Zeit-verlieren“ Person.

Das war natürlich nicht schwer zu erraten, aber sicher ist man erst, wenn man nachfragt. Kurz darauf war ich bei einer Veranstaltung, wo gleich viererlei Punkte auf den diversen Namensschildern zu sehen waren. Da hab ich nicht mehr nachgefragt.

Ich verstehe natürlich, dass man die Entscheider herausfiltern will, damit man nicht zu viel Zeit mit Leuten verplempert, die dem eigenen Geschäft nichts beizutragen haben. Aber wenn ein Entscheider zu zweit kommt, dann steht die zweite Person meist in irgendeinem persönlichen Verhältnis zu dem „wichtigen“ Entscheider. Was die Begleitperson wiederum zu einer eher wichtigen Person macht. Weil, wenn sich die Begleitung auf dem Event nicht wohlfühlt, dann ist es mit der Anwesenheit der vermeintlich wichtigen Person wohl bald vorbei.

Meiner Meinung nach funktioniert dieses Punktesystem ohnehin nicht, weil sich keiner daran hält und in meinem Fall war ich das „Beiwagerl“ bei der Veranstaltung, weil ich mich nicht selbst angemeldet hatte. Allerdings bin ich sehr wohl derjenige, der in meiner Firma entscheidet.

Was bleibt ist ein kleiner bitterer Beigeschmack, weil man ja nicht gerne in eine Schublade gesteckt wird. Vielleicht ist das aber auch nur ein kurzer Trend, der bald wieder vorüber ist. Ich mache es einfach wie bisher, ignorieren.

7. November 2014, 11:21

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