09.07.2010 | 10:35 AM | Kategorie:
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PR und Events – Journalisten als Werbe-Botschafter?!

Mitte Juni war ich auf dem 1. German Event Summit. „The Future of Event Marketing – Welche Strategien und Unternehmen werden zukünftig gewinnen?“ so der Slogan dazu. Es wurde also nach der künftigen Richtung für die Event-Branche gesucht und darüber diskutiert. Dieser 2-tägige Kongress brachte für mich ein paar interessante Erkenntnisse. Zum Beispiel, dass Agenturen und Auftraggeber öfters ein kleines Verständigungsproblem haben. Was daran neu und interessant ist?

Na, ich dachte immer, beide ziehen an einem Strang – Aufgabe > Lösung > fertig. In der Realität ist es allerdings so, dass der Auftraggeber an sein Unternehmen denkt und die Agentur an den Event. Dabei wünschen sich die Auftraggeber, dass die Agentur zuerst das Unternehmen besser kennenlernt, bevor sie sich an die Planung des Events macht.
Also auf Basis der Unternehmens-Philosophie den Event planen, nicht den Event planen und dann wird’s schon irgendwie zum Unternehmen passen.

1. German Event Summit

So schaut ein ordentlicher Kongress aus. 😉 - Bildrechte: eveos

Besser in diesen Blog passt, dass Journalisten als besondere Zielgruppe betrachtet werden. Für einige Auftraggeber oder Agenturen sind spezielle Journalisten-Events ein wesentlicher Faktor der Unternehmens-Kommunikation.

Dabei stellt sich für mich die Frage:

„Können Journalisten noch objektiv über Unternehmen berichten, wenn sie zu aufwändigen Events eingeladen werden“?

Leidet die Urteilskraft von Journalisten, die ja auch nur Menschen sind, darunter, wenn sie mit aufwändigen Events – provokant formuliert – „gekauft“ werden?

Ich habe keine Ahnung, wie Journalismus funktioniert. Ich blogge nur und bin auch der Meinung, dass das überhaupt nichts mit Journalismus zu tun hat (außer der Blogger ist Journalist). Ein Blog ist subjektiv und wird auch so wahrgenommen. Aber wie schaut das im Journalismus aus? Schreibt ein Journalist noch objektiv, wenn ein Unternehmen zu einem Erlebnis-Wochenende mit Begleitung einlädt? Natürlich geht es da nicht um weltbewegende Themen, wie ein G8-Treffen. Aber die Leser wollen sicher wissen, was ein Unternehmer dem „Otto-Normalverbraucher“ bietet und nicht dem Journalisten, der als Werbe-Botschafter gesehen oder eventuell missbraucht wird.

Mich würde natürlich interessieren, was Journalisten dazu meinen. Falls es welche gibt, die zu Events eingeladen werden. 😉

Ich hab allerdings auch schon Situationen erlebt, die in eine ganz andere Richtung gingen. Wenn etwa Zeitschriften/Zeitungen auf einen Unternehmer zugehen (in einem konkreten Fall auf mich), Anzeigen verkaufen möchten und als Gegenleistung dafür „objektiv“ redaktionelle Berichte über mein Unternehmen anbieten. Das finde ich auch sehr irritierend und hat, für mein Verständnis, nichts mit Journalismus zu tun. Ich hab’s nicht gemacht, viele andere schon.
Ich glaube allerdings, dass die meisten Journalisten deshalb diesen Beruf wählen, weil sie gerne kritisch hinterfragen und die Menschen objektiv informieren möchten.

Weicht sich das im Laufe der Zeit auf?

Angehende PR-Leute wird vielleicht auch interessieren, dass in Zukunft Event-Manager viel mehr auch Kommunikations-Manager sein müssen (auch eine Erkenntnis vom German-Event-Summit-Kongress). Das bedeutet, dass Events nicht mehr damit beginnen, dass der Generaldirektor seine Eröffnungsrede hält und „Das Buffet ist eröffnet“ in die hungrige Meute ruft. Sondern, dass ein Event eine relativ lange kommunikative Vorlaufzeit hat. Vor allem öffentliche Events können, mit den Mitteln, die das soziale Netz bietet, schon vorab die Zielgruppe relativ genau ausloten. Kommunikation erfordert allerdings viel Zeit und auch ein gewisses Talent – nicht unbedingt Hauptkriterien für das Berufsbild eines Eventmanagers. Nicht falsch verstehen: Eventmanager müssen natürlich kommunikativ sein, aber in erster Linie müssen sie gut organisieren können.

Für mich ergibt sich daraus wiederum ein neuer, interessanter Beruf. Der Kommunikations-Manager (vor allem für Social Media), wird bereits gesucht, ohne dass es dafür eine richtige Ausbildung gibt.

Ich habe vor kurzem eine Stellenausschreibung für einen Social Media Manager gelesen. Eine Voraussetzung für die Einstellung war irgendein abgeschlossenes Studium. Was studiert ein angehender Social Media Manager? Social Media hat für mich viel mit Small Talk zu tun. Das wäre dann eher etwas für Barkeeper, die einige „Silvester“ studiert haben. 😉

Und zum Schluss noch eine Erkenntnis vom 1. German Event Summit, weil der „gemeine“ Österreicher sich so gerne mit den Deutschen vergleicht (warum auch immer): In Deutschland wird teilweise angenommen, dass wir in Österreich Social Media positiver gegenüber stehen als unsere Nachbarn. Das wird im Tourismus vermutlich so sein, aber in der Event- und Locationszene ist es definitiv nicht der Fall.

Viele neue Chancen also für PR-Leute, auch in der Event-Branche – passt auch zu Hannes Martschins Beitrag (Anzeigenleiter und PR-Berater).

Pack mas!

Rege diskussionen mit deutschen Kollegen. - Bildrechte eveos

Rege Diskussionen mit deutschen Kollegen. - Bildrechte eveos

Wer weitere Infos zu dem Kongress möchte hier noch ein paar Blog Beiträge:

Event Dienstleistungs-Blog mit Live Berichten via Twitter und Blog über den Kongress

Location Blog mit Info und Kritik zu den Vorträgen

Location Blog mit Info und Kritik zum Ablauf des Kongresses

20. Juli 2010, 12:54

Danke für diesen spannenden und unterhaltsamen Beitrag!

20. Juli 2010, 02:01

Der Dank gebührt Dir.
Erstens für die Reaktion – ist ja nicht normal, dass auf Beiträge geantwortet wird – und 2. für das Lob.
Freut mich immer besonders. 😀

27. Juli 2010, 01:19

Vielen Dank für diese informative Geschichte; einige Punkte daraus finde ich besonders interessant:
Schreibt ein Journalist noch objektiv, wenn ein Unternehmen zu einem Erlebnis-Wochenende mit Begleitung einlädt?
Und: Neuer Beruf: Social Media Manager oder CSMO (frei: Chief Social Media Officer ;-)) Eine Voraussetzung für die Einstellung war irgendein abgeschlossenes Studium. Was studiert ein angehender Social Media Manager?
Eventitis und deren Begleiterscheinungen für Unternehmen, Journalisten/Redakteurinnen und die Öffentlichkeit – vielleicht demnächst Thema bei OTSconnect…

27. Juli 2010, 04:21

Ja, liebe Webfee, da kommen sicher noch einige neue interessante Berufsbezeichnungen auf uns zu – CSMO ist ein guter Vorschlag. 😉
Leider hat sich noch kein Journalist gefunden der uns eine Bevorzugung bestätigen oder dementieren kann. Es ist natürlich möglch, dass der Beitrag noch von keinem Journalisten gelesen wurde.
Die Eventitis werde ich mir noch genauer ansehen und darüber berichten.

27. Juli 2010, 04:34

Das ist aus journalistischer Perspektive natürlich äußerst heikel, solche Fragen auf so einer Plattform zu diskutieren; einen Anhaltspunkt gibt es aber zumindest dokumentiert: Franz Schellhorn, Ressortleiter Wirtschaft bei der TZ „Die Presse“ lässt keinen Zweifel an seinem Selbstverständnis als Journalist; aufgezeichnet bei der allerersten OTSconnect im Jahr 2008 – hier die Audios:
http://www.ots-blog.at/events/audios-zur-1-otsconnect/

Solch klare Aussagen lassen hoffen, dass es für Qualitätsmedien trotz aller Umbrüche und Herausforderungen nach wie vor kein Rütteln an deren Maßstäben gibt.

30. Juli 2010, 03:36

Schöne Audios, Danke für den Link.
Natürlich ist die Frage nach einer objektiven journalistischen Qualität immer etwas heikel. Egal wo sie gestellt wird. Ich gebe zu, ich tu mir da auch etwas leicht, weil ich nicht in der (journalistischen) Situation bin.
Die Meinung, dass man selbst objektiv ist, ist ja eigentlich eine subjektive Einschätzung von sich selbst. Ist ein bisschen wie der Hund, der sich in den Schwanz beißt. 😉

Ich weiß, da gibt´s noch eine Kontrolle.

10. August 2010, 10:56

Danke für die Links. Die objektive Qualität ist immer schwierig zu beurteilen und das vorallem von nicht wissenden Einzelpersonen. In dieser Hinsicht sollte doch etwas mehr <a href=“http://www.gesundes-bayern.de/de/kur-beantragen“Prävention in Bayern“ betrieben werden.

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