29.04.2009 | 10:03 AM | Kategorie:
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Wer hat noch nie?

… ein Fertiggericht mit frischen Zutaten verändert oder seinen Arbeitsplatz so gestaltet wie er nur ihm oder ihr gefällt – diese Frage stellte Prof. Nikolaus Franke, Leiter des Instituts für Entrepreneurship und Innovationsmanagement an der WU, am Donnerstag Abend in den Raum.

Bei einer Fachdiskussion der E-Business-Community zum Thema „Der Kunde als Innovator: Mit neuen Geschäftsmodellen aus der Krise“ erklärte er, warum die meisten Innovationen aus Firmen scheitern (weil die F&E-Abteilung tief unten in der „Unternehmens-Festung“ bildlich gesprochen ohne Fenster nach außen werken), welche Produkte aus Erfindungen oder Zweckentfremdungen von Usern entstanden sind (Snowboard, Botox, SMS, Kitesurfen, Open-Source-Software, aber auch Roboter für Gehirnchirurgie, die Herz-Lungen-Maschine etc.) und warum Unternehmen deshalb gut beraten sind, bei Innovationen eng mit Kunden und Userinnen zusammenzuarbeiten.

Einige Zahlen und Fakten aus seinen Ausführungen: 90 % aller neuen Produkte, die Unternehmen auf den Markt bringen, verschwinden innerhalb von einem Jahr wieder vom Markt, dabei werden 90% aller Innovationsprozesse schon vor der Markteinführung abgebrochen.  96 % der erfolgreichsten KMUs  in Deutschland arbeiten intensiv mit Kundinnen und Kunden zusammen … die Liste aus der jahrelangen Forschungsarbeit des WU-Professors ließe sich noch lange fortsetzen.

Natürlich könnten also viele Unternehmen stark profitieren vom intensiveren Einsatz  von Lead-User-, Open-Innovation- und anderen Projekten. Einige Fragen stellen sich dabei jedoch für mich, auch wenn manche davon zugegebenermaßen in die Kategorie „Gedankenexperimente“ fallen:

– Liegt die wirkliche Innovation dabei immer beim User? Entsteht wirklich etwas Neues, wenn Firmen etwa Toolkits zur Verfügung stellen, um T-Shirts, Frühstücksflocken, Autos oder Turnschuhe selbst zu designen und zusammenzustellen? Oder ist es nicht ohnehin wiederum das Unternehmen, das sich die Gestaltungsmöglichkeiten ausdenkt und dadurch den Rahmen vorgibt?

– Auf die Spitze getrieben: Wenn man immer genau das tut, was der User sagt, wo bleibt dann die Leistung und in weiterer Folge die Marke und Persönlichkeit eines Unternehmens? Hätte Apple sein Image aufbauen können ohne Visionen und „verrückte“ Ideen des Firmengründers?

– Und in weiterer Folge: Wenn die Userinnen merken, wie sehr die Unternehmen von ihren Ideen und auch ihrer Arbeitszeit profitieren, warum sollten sie diese Leistung dann gratis erbringen? Und wenn sie auf der Payroll der Unternehmen stehen – sind sie dann noch User oder schon Teil des Unternehmens?

Auch heute auf dem European Newspaper Congress bemerkte Peter Stefan Herbst, Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung, sinngemäß, wenn eine Zeitung genau so gestaltet, wie es die Marktforschung vorgibt, bietet man dem Leser keine Überraschung mehr, die Blattbindung schwindet. Ein Geburtstagsgeschenk, das man sich vorher gewünscht hat, ist doch nur halb so schön, oder?

13. Oktober 2013, 06:10

Wenn Henry Ford damals die Leute gefrgt hätte was sie wollen, dann diese geantwortet: „Kräftigere Pferde“. Er hat aber ein Auto gebaut!

Lg Achim Sedelmaier, Head of Design, Börner Wien, http://www.boerner-wien.at

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