24.01.2012 | 9:00 AM | Kategorie:
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Good bye Google Maps? Online-Map-Trends 2012

Wie ein Sturm verbreitete sich Ende Oktober vergangenen Jahres die Nachricht über die Ankündigung Googles, die Einbindung des populären Dienstes Google Maps mit Jänner 2012 für stark frequentierte Websites kostenpflichtig zu machen  – nutzen doch Millionen Websites diesen bislang für öffentliche Websites freien Service. Sein Release im Jahr 2005 hat den Einsatz von zuvor nur mit hohem Aufwand umsetzbarer Kartenanwendungen demokratisiert.

Obwohl die Kostenschranke Google zu Folge nur 0,35 % der Google Maps nutzenden Websites betrifft – jene mit mehr als 25.000 Karten-Zugriffen pro Tag – verleiht dieser Schritt alternativen Online-Map-Diensten starken Rückenwind. Anlass für einen kurzen Blick über den Tellerrand von Google.

Web-Maps: Technik 1×1

Google Maps und vergleichbare Web-Map-Anwendungen funktionieren nach folgendem Prinzip: Im Webbrowser ausgeführter Programmcode lädt in so genannten „tiles“ (Pixelgrafiken im Maß von 256×256 Pixel) vorliegendes Kartenmaterial, stellt interaktive Funktionalitäten wie Zoomen, Verschieben, die Darstellung von Pins zur Markierung ausgewählter Punkte etc. zur Verfügung und übernimmt Berechnungen wie beispielsweise die Umwandlung eines Klicks auf die Karte in Geo-Koordinaten (Längen- und Breitengrad). Hochauflösendes, flächendeckendes Karten- bzw. Satellitenbildmaterial für die gesamte Erde in tiles bereitzustellen stellt dabei enorme Anforderungen an Speicher und Hosting. Google betreibt einerseits leistungsstarke tile-Server zur Auslieferung verschiedener tilesets (Straßenkarte, Geländedarstellung, Satellitenbilder), und stellt mit dem Google Maps API eine Javascript-Bibliothek zur komfortablen Umsetzung der genannten browserseitigen Funktionalitäten zur Verfügung. Einige Alternativen sollen hier nun in Kürze behandelt werden:

Alternativen zu Google Maps

Microsoft bietet mit Bing Maps einen vergleichbaren Dienst zu Google Maps, verfolgt aber eine auf Business-Anwendungen ausgerichtete Lizenzpolitik: Die Einbindung ist bereits ab ca. 350 Kartenzugriffen pro Tag kostenpflichtig. Für die browserseitige Umsetzung interaktiver Karten stehen eine AJAX-Programmbibliothek sowie eine auf dem Microsoft Flash-Konkurrenten Silverlight basierende API bereit. Ein besonderes Gimmick sind die hochauflösenden “Bird Eye’s”-tiles, die es ermöglichen, den gewünschten Kartenausschnitt in Schrägluftbilder aus den vier Himmelsrichtungen zu betrachten (google folgte mit Einführung der “45°”-Option für ausgewählte Gebiete).

Apple, derzeit für sein mobiles Betriebssystem iOs auf Google Maps setzend, bereitet Gerüchten zu Folge mit dem Zukauf verschiedener Karten-Technologiedienstleistern einen Einstieg in das durch mobile Anwendungen an zusätzlicher Bedeutung gewonnene Geschäft mit interaktiven Web-Maps vor.

Nachtrag nach Userkommentar von Robert Szuka auf Facebook: Nokia bietet für die Nutzung von Nokia Maps (vormals Ovi Maps) eine Javascript-Bibliothek, die die kostenlose Einbindung von interaktiven Karten inklusive Funktionalitäten wie Routenplanung oder Einblendung aktueller Verkehrsdaten ermöglicht.

Openstreetmap, die “Wikipedia der Karten”, macht nicht nur freie Geodaten zugänglich, sondern auch laufend aktualisierte tiles auf Basis dieser Daten. Tiles stehen in verschiedenen Stilen zur Verfügung und können mit Hilfe freier APIs wie beispielsweise Open Layers, leaflet oder modest maps – aber auch mit dem Google Maps API – im Browser dargestellt werden.

Cloudmade bietet verschiedene Services für Betreiber und Entwickler von Websites und Apps mit Geo-Bezug. Über einen Editor können beispielsweise eigene tilesets entworfen und bei Cloudmade gehostet werden. Für die Produktion der tiles setzt die Firma auf freie Daten von openstreetmap, zur Darstellung im Browser auf die freie Bibliothek leaflet.

Openmapquest bietet frei nutzbare Karten- und Satellitenbild-tiles, letztere jedoch nicht in der gleichen Detailtreue wie Google und Microsoft.

Auch Mapbox ist spezialisiert auf die Produktion individueller Tiles auf Basis von Geodaten von openstreetmap. Zur Darstellung kommen wiederum offene APIs zum Einsatz, mit wax stellt mapbox eine interessante Javascript-Library zur Verfügung, die die Einbindung interaktiver Karten – unabhängig des verwendeten Map-APIs und der verwendeten Tileserver – erleichtert.

Dieses Beispiel einer mit Mapbox-Technologie umgesetzten interaktive Karte zeigt, wie mit Hilfe von speziell angefertigten tiles Informationsvermittlung und ästhetische Ansprüche in einem von üblichen Web-Map-Anwendungen ungekannten Maß vereint werden können.

Mit dem aus dem gleichen Hause stammenden Projekt tilemill, in Kombination mit skalierbaren cloud-hosting-Lösungen wie Amazons EC2, rückt das zuvor sehr aufwändige Produzieren und Hosten eigener Tiles für technisch Ambitionierte in greifbare Nähe – vor allem wenn nur ein eingeschränkter geographischer Bereich dargestellt werden soll. Ein lesenswerter, vielbeachteter Erfahrungsbericht einer Immobilienplattform über den Umstieg von Google Maps auf eigene, mit tilemill generierte tiles findet sich hier.

Fazit: Aufgrund des Bruchs mit dem Gratismodell einen massiven Marktanteilverlust von Google Maps zu prognostizieren wäre definitiv verfrüht – zu groß ist die Verbreitung, zu attraktiv die – laufend erweiterten – Features (Routenplanung, hochauflösende Satellitenbilder, “streetviews” etc.), zu großzügig ist das Limit für die freie Nutzung mit 25.000 Zugriffen pro Website/pro Tag angesetzt. Dennoch verleiht der Schritt Googles alternativen Anbietern – besonders aus dem Open Source-Bereich – Aufschwung, der für 2012 mehr Farbe in der Welt der Web-Maps erwarten lässt.

Anmerkung: APA OTS verwendet für seine Portale das – ungeachtet der Zahl der Zugriffe immer schon kostenpflichtige – Google Maps API Premier, um Google Maps inklusive Funktionalitäten wie Geokodierung (Umwandeln einer Postadresse in Geo-Koordinaten) auch in geschützten Anwendungen wie dem OTS-Manager, dem Aussende-Tool für Pressemitteilungen, einsetzen zu können. Eine Umstellung auf einen anderen Kartendienst ist derzeit nicht geplant.

24. Januar 2012, 09:38

Danke für den informativen Artikel. Der Grund, das Google Maps sein Lizenzmodell geändert hat, war für mich auch mit ein Grund, mein WordPress Plugin Leaflet Maps Marker – „Pin, organize & show your favorite places through OpenStreetMap/WMTS, Google Maps/Earth (KML), GeoJSON or Augmented-Reality browsers“ zu entwickeln. Dieses ermöglicht es, Marker auf Basis freier Karten zu setzen, WMS-Ebenen einzublenden, und die Karten in verschiedensten Formaten auch wieder zu exportieren. Interessierte Personen können dieses Plugin kostenlos unter http://www.mapsmarker.com downloaden. Ich freue mich über Feedback!

17. Juli 2012, 08:29

[…] Ich finde das Plugin auf jeden Fall sehr hübsch, wie eben auf meinem Smartphone optisch schöner als Google Maps. Genial ist das Plugin für das Bekanntmachen von Veranstaltungen in Deinem WordPress Blog. Und wer schon sein Leben lang wissen wollte wo genau Rodenkirchen an der Weser liegt, der kann das nun hier sehen. Es gibt auch noch weitere Alternativen die bei ots-blog vorgestellt werden. […]

11. Juli 2013, 06:50

[…] weit, so gut. Das umständliche Hantieren mit unhandlichen Straßenplänen ist passé. Aber wie gut schneidet das Navi ab, wenn der Fahrer auf dem Weg gern noch einen Happen […]

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