15.03.2010 | 11:34 AM | Kategorie:
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Social Media – woher wir kommen, wohin wir gehen

„Digital Natives“ sind jene bis 29-Jährige, die zumindest beruflich mit dem Internet aufgewachsen sind. Zu ihnen gehören auch meine StudentInnen, die immer gelacht haben, wenn ich erzählte, dass ich am Beginn meines ersten Fulltime-Jobs in einer großen PR-Agentur keinen PC auf meinem Schreibtisch hatte, weil es einfach noch keine gab.

Briefe (!), Presseaussendungen, Broschürentexte etc. wurden diktiert, von den Sekretärinnen (jede/r Berater/in hatte eine eigene) auf Schreibautomaten (grüne Schrift auf schwarzem Grund!) geschrieben, ausgedruckt und vorgelegt. Von uns dann händisch verbessert und so ging es ein paar mal hin und her – typischer Arbeitsprozess eines „Digital Immigrants“ im vorigen Jahrhundert (und doch „nur“ 20 Jahre her, was für StudentInnen natürlich eine Ewigkeit ist)!

Warum mir das heute einfällt? Weil ich mir Zeit genommen habe, die Studie „Journalismus & Social Media“ anzuschauen. Durchgeführt von „Der Österreichische Journalist“ und der Agentur ikp machte sie mir wieder klar, wie sehr sich die Kommunikation durch das WWW verändert hat, aber auch wie viele offene Fragen es betreffend der Web 2.0- Zukunft noch gibt.

Die befragten JournalistInnen und PR-ExpertInnen geben klare Antworten auf Fragen nach persönlicher Häufigkeit und Art der Nutzung von Social-Media-Plattformen. Ergebnis: sie nutzen eifrig – 95% der Digital Natives, aber sogar 68% der über 49jährigen (was deutlich über dem österreichischen Gesamtschnitt liegt) sind bei mindestens einem Anbieter registriert. Facebook (79%) ist Vorreiter, gefolgt von Xing (69%) und Twitter (abgeschlagene 30%).

Für mich jedoch viel spannender waren die Antworten jener Gruppe, die die größte Erfahrung mit Online-Plattformen besitzen, auf die Frage wie sie den derzeitigen und zukünftigen Einfluss von Social Media auf die journalistische Praxis in traditionellen Medien sehen. Wird der derzeitige Einfluss noch eher gering eingestuft, so schaut der Blick in die Zukunft ganz anders aus: steigende Relevanz für die Reichweite bzw. LeserInnenstruktur (73%), gefolgt von den redaktionellen Inhalten (70%) und Abläufen (61%) sowie im Bereich Wirtschaftlichkeit/Anzeigen (59%) werden erwartet.

Und genau hier beginnen die vielen Fragezeichen betreffend der konkreten Auswirkungen von Web 2.0 auf die Zukunft 1) des Systems Journalismus, 2) der traditionellen Medienunternehmen und 3) der Rolle der JournalistInnen. Keiner hat die berühmte Kristallkugel; die nächsten Jahre werden diesbezüglich sicher spannend. Ich persönlich hoffe ja nicht, dass die „Digital Borns“ (meine Wortschöpfung) in 20 Jahren lachen werden, wenn man ihnen erzählt, dass es einmal etwas so Außergewöhnliches wie täglich gedruckte Zeitungen gab, die von Professionisten geschrieben wurden, die sich JournalistInnen nannten…

21. März 2010, 08:59

Noch eine kleine Ergänzung: Wer wissen will, wie viele Fans österreichische Unternehmen im Social Web haben (bzw. nicht haben!), der kann sich im Kurier ein Bild machen: http://kurier.at/multimedia/bilder/1987491.php

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