02.03.2009 | 11:31 AM | Kategorie:
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Facebook-Outing

Ich oute mich heute – und zwar als Nutzerin einer Plattform, für die ich, wie mir vorkommt, einfach zu alt bin. Zumindest scheint mir das in letzter Zeit so. Doch fangen wir beim Facebook-Anfang an: An sich finde ich die Vernetzung ja fein, ich bin mit Leuten in Kontakt, die ich selten sehe und bin doch auf dem Laufenden, was sie grade tun (Kamelmilchschokolade essen, auf den Frühling hoffen …) und wo sie sich herumtreiben (Malediven, Innsbruck, zu Hause …).

Es gibt immer wieder mal Themen, über die es sich auch im Web trefflich diskutieren lässt, man kriegt die Urlaubsfotos seiner Freunde sehr viel früher zu sehen – und meist auch nur die relevante Auswahl, die man sich wirklich anschauen will. So weit, so gut. Und dann kommen die sogenannten Applikationen ins Spiel, die ich zulassen kann oder es unfreiwillig tue, weil ich nicht so weit in die Untiefen des Systems gekommen bin, um den Navigationspunkt zu finden, wo ich es verhindern könnte. Oder auch nicht verstehe, was ich zulasse oder verhindere. Und weil ich dazu offenbar nicht in der Lage bin, finden sich dann auf meiner Pinnwand so Fragen wie „Glaubst Du, dass XY (Person aus meinem Freundeskreis) gut küssen kann?“ Oder es werden Freunde als Haustiere angeboten, die ich dann ersteigern kann.

Ehrlich gesagt, das finde ich nicht witzig. Ich vermute, ich bin zu alt, um diese Form des Spaßes zu verstehen. Oder ist es schlicht und ergreifend so, dass das einfach wirklich nicht lustig ist? Was meint die p.t. Blog-Community?

Je länger ich mich mit dem Thema Facebook befasse, desto mehr frage ich mich auch, inwieweit ich es hier schaffe, Privates und Berufliches von einander zu trennen. Bisher habe ich Xing als Business-Plattform genützt und dachte, Facebook sei für mich jetzt eher das private Netzwerk. Das erste Aha-Erlebnis hatte ich, als ich meine Freunde suchte, denn die wenigsten haben ein Profil auf Facebook. Die Menschen, die ich dort finde, sind Menschen aus meinem beruflichen Umfeld, und meist um einiges jünger als ich – siehe erste Absatz dieser Epistel … Gut, kein Netzwerk für Privates.

Der zweite Gedankengang, der mich immer noch beschäftigt, ist die Frage, ob sich alle, die auf Facebook posten, Statusmeldungen über ihre Befindlichkeiten abgeben, Gruppen beitreten oder durchaus auch eigenwillige Fotos ins Netz stellen, auch im Klaren darüber sind, dass ihnen all die Dinge, die lustig, schräg etc. sind, irgendwann einmal auf den Kopf fallen könnten. Kürzlich habe ich gehört, dass man nur dann eine Chance hätte, US-Präsident zu werden, wenn man den Medien-Output (über sich) der letzten 20 Jahre kontrolliert hat – Obama hat das offenbar im Griff.

Zugegeben, die wenigsten von uns sind Obama oder wollen US-Präsident (oder auch „nur“ österreichischer Bundespräsident) werden. Dennoch: Jeder Personalchef holt sich Informationen aus dem Netz, und es ist keine große Hexerei, auf die Freundesliste von jemandem zu kommen, den man nicht kennt. Kurz, aus meiner Sicht machen diese Netzwerke so lange Spaß, so lange sie das reale Leben nicht berühren. Oder so lange man vorsichtig ist mit den Informationen, die man über sich preisgibt. Aber macht’s dann wirklich noch Spaß??

P.S. Ich hab den Punkt gefunden, wie ich verhindern kann, dass meine Freunde als Haustiere angeboten werden – glaub ich zumindest 😉

2. März 2009, 12:29

Oh, und wie recht Sie haben!!! ich kann diese Applikationen nicht ausstehen.- und wenn man irgendwelche Änderungen vornehmen möchte, dann muss man die Settingoption in FACEBOOk immer Ewigkeiten suchen. Sobald man die Änderung dann speichert und überprüft, stellt man fest, dass diese nicht übernommen wurde. Und das liegt sicher nicht ausschließlich an meinem technischen Know How.
Auch die Bildrechte bzw. die Ideen befinden sich im Eigentum von Facebook. Der liebe Herr Zuckerberg besitzt allerdings 175 Millionen Datensätze!!! – das ist eine MENGE Geld, wenn man sich die Werbeeinnahmen ausrechnet.
Mehr dazu unter NY-Times:
http://topics.nytimes.com/top/news/business/companies/facebook_inc/index.html?scp=1-spot&sq=facebook&st=cse
Ich bin gespannt, wie lange das noch so geht.

3. März 2009, 09:39

Zum zweiten Gedankengang: Jede veröffentliche private Informationen kann in der Zukunft ein potentielles Problem werden. Das Internet vergisst nun mal nicht, die Daten bleiben bestehen. Das ist wenigen bewusst.

3. März 2009, 10:04

„Die Presse“ hat gestern einen Artikel zum Thema „Keine Chance gegen Facebook-Spionage“ publiziert:

Datenschutz: Nach österreichischem Recht sind die Nutzungs-Bedingungen des Online-Netzwerks illegal. Doch Klagen gegen das US-Unternehmen sind so gut wie aussichtslos. Die einzelnen User kann man aber belangen. mehr dazu unter http://diepresse.com/home/techscience/internet/457150/index.do?from=rss

3. März 2009, 03:19

Auch ORF Online beschäftigt sich ausführlich mit dem Thema „Facebook“:
http://orf.at/090227-35535/index.html

4. März 2009, 01:38

Fraglich ist, wo diese Entwicklung rund um Facebook und Co. hinführt. Es kommt zu einer Vermischung von Privatleben und Arbeitswelt. Ist das wirklich ein Grund, nicht eingestellt
zu werden, weil man mit Freunden Geburtstag feiert und die Fotos online stellt?
Das Bewusstsein, dass das Internet nichts vergisst, ist freilich noch nicht vorhanden,
da diese Entwicklung dieser „Selbstdarstellung“ noch jung ist. Interessant wäre auch, ob das rechtlich in Ordnung geht, aufgrund der Geschehnisse gekündigt zu werden:
http://orf.at/090227-35535/?href=http%3A%2F%2Forf.at%2F090227-35535%2F35538txt_story.html

4. März 2009, 02:32

Ich denke nicht, dass es ein Hindernis für eine Einstellung ist, wenn man Fotos einer Geburtstagsfeier online stellt. Fraglicher ist die Sache schon dann, wenn man auf diesen Fotos betrunken ist, eventuell nicht ganz korrekt gekleidet etc etc. Und weiters stellt sich auch die Frage, wieviel Einblick ich meinen Kollegen und Kolleginnen, meinen Vorgesetzten etc in mein Privatleben geben möchte. Und außerdem weiß ich ja nie, welchen Job ich in der Zukunft machen möchte. Möchte ich Kuratorin eines kirchlich geführten Museum werden, sind Strandfotos im knappen Bikini oder Fotos in enger Umarmung mit meinem Freund vielleicht doch hinderlich – auch wenn an sich nix Böses dabei ist. Das meinte ich – daher auch mein Hinweis auf 20 Jahre Kontrolle über den eigenen Medien-Output …

5. März 2009, 01:02

beispielgeben für eventuelle falsche eindrücke ist ein blick auf 123people.at, besonders die amazon wunschlisten sind immer recht aufschlussreich.

6. März 2009, 03:56

Das ganze jetzt an Facebook aufhängen ist klar, da es ja in der letzten Woche einen anegblichen Fall eines Rauswurfst wegen einer Statusmeldung auf Facebook, bzw diese ominöse AGB Änderung gegeben hat. Allerdings ist das Problem keines erst seit Facebook existiert, sondern grundsätzlich eines des Internets. Jede Information die man irgendwo preis gibt wird gespeichert. Ob die Bilder jetzt bei Facebook, Flickr oder auf der eigenen Webseite sind, ob die Informationen auf Facebook, Amazon oder Xing sind, die Informationen sind grundsätzlich einsichtbar. Zumindest größteils auf einem fremden Rechner gespeichert.
Google & Co grasen das Internet ab, und schon kann man über die einfache Anlaufstelle „Suchmaschine“ über jeden herausfinden. Facebook ist ein Platzhathaler für den grundsätzlich sorglosen Umgang mit Daten. Und in Wirklichkeit kann man mit Facebook noch recht gut einschränken wer was sehen darf.

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