16.03.2017 | 12:09 PM | Kategorie:
2

Fake News: 5 Fragen an Katharina Schell

Ein Fake ist nach der Bedeutung im Englischen eine Fälschung, eine Täuschung, eine Attrappe oder ein Hochstapler und ein Simulant (Faker). Fake News sind Falsch- und Fehlinformationen, die häufig über elektronische Kanäle (vor allem soziale Medien) verbreitet werden. Die Glaubwürdigkeit von Nachrichten wird derzeit heiß diskutiert, doch wie geht man damit um? Wir haben Mag. Katharina Schell (Mitglied der Chefredaktion der APA – Austria Presse Agentur) zum Thema Fake News befragt.

Welche Faktoren beeinflussen die Glaubwürdigkeit einer Information?

Wesentlich ist die Quelle. Die Glaubwürdigkeit von Information steht und fällt mit der Quelle auf den ersten Blick. Das ist die Wurzel allen Übels, auch wenn das vielleicht hart klingt.

Wie können Userinnen und User im Alltag schnell Durchblick erlangen? Welche Routine oder welches Handling bietet sich aus deiner Sicht auch für Konsumentinnen an?

Das wird immer schwieriger. Die goldene Regel lautet einerseits: Erst lesen, dann teilen. Viele Leute schauen nicht genau oder lesen die Inhalte nicht, die sie teilen.
Andererseits  – aber das sagt eigentlich der eigene Hausverstand –  sollte man die Inhalte und Quellen hinterfragen, aber es wird oft schnell geteilt, noch bevor hinterfragt wird.
Ein weiterer Ansatz ist, sich selbst zu fragen, wem nützt es, ‚viral‘ zu gehen? Gibt es eine Agenda dahinter? Das ist auch für die PR eine wesentliche Frage. Wobei es hier transparent ist: es gibt einen Rückfragehinweis bei Aussendungen und der Absender ist klar.

Wäre es hilfreich und angebracht, selbst gegen Fake News vorzugehen? Wenn ja, wie?

Das ist eine schwierige Frage. Das muss jeder persönlich entscheiden. Es gibt in Deutschland eine Facebook-Gruppe #ichbinhier. Die Gruppe hat sich dazu committed, falsche Behauptungen richtig zu stellen oder auch ‚Hasspostings‘ in sachliche Bahnen zu lenken. Eigentlich sind solche Initiativen mit Vereinen vergleichbar. Das muss man wollen und auch die Zeit dafür aufwenden. Beiträge zu melden führt manchmal zu Frust und manchmal zu Erfolg. Es ist eine individuelle Angelegenheit.

Wo kann man Deiner Meinung nach ansetzen, um langfristig Transparenz zu schaffen?

Hier stellt sich die Frage: wer ist ‚man‘? Es gibt Diskussionen über staatliche Regulierungen. Als Journalistin bin ich da aber extrem skeptisch. Es gibt auch Appelle, die Medienkompetenz der User auszubauen, beziehungsweise die Aussage, dass diese einfach nicht ausreicht. Das hören wir aber schon seit 20 Jahren. Es handelt sich bei diesem Problem um ein internationales, kein nationales. Dazu kommt noch die technologische Komponente. Es gibt also nicht die eine Überlegung, wie das verbessert werden könnte.

Bist Du selbst schon mal auf Falschmeldungen reingefallen oder kennst Du jemanden, dem das passiert ist? Wenn ja, um welche Geschichte ging es?

Nein, ich selbst noch nie. Ich finde schnell heraus, dass eine Meldung ein Blödsinn ist. Oft spielt sich das auch nicht in Österreich ab. Wenn es heißt, dass der Papst Trump unterstützt zum Beispiel. Was wäre das österreichische Äquivalent dafür? Es ist nicht so, dass in Österreich die Fake News auf der Straße liegen.

 

Mehr zum Thema:

 

Nächste Veranstaltung

Experten-Diskussion zum Thema Fake News beim „DeFacto-Highlight“ am Mittwoch. 5. April 2017, 09:00 bis ca. 12:00.

Am Podium:

  • Petra Bernhardt, Expertin zur visuellen Kommunikation an der Universität Wien
  • Lisa Totzauer, Infochefin ORF eins
  • Katharina Schell, Medienredakteurin der APA, als Mitglied der Chefredaktion und des APA-medialab verantwortlich für redaktionelle Innovation
  • Klemens Ganner, Geschäftsführer APA-DeFacto

Zur Anmeldung

16. März 2017, 03:14

Ein spannender Einblick in das Thema Fake News! Ich glaube auch, dass eine bessere Medienkompetenz zunehmend wichtiger wird. Gerade dieses „Erst teilen, dann lesen“-Verhalten vieler User verstärkt sicher das Problem.

16. März 2017, 04:39

Sehe ich auch so. Medienkompetenz als Key! Spannend find ich in diesem Zusammenhang das Leseverhalten in den Social Networks und welche Rolle Headlines spielen. Z.B. Headlines only: 59 Prozent der Nutzer teilen Artikel ungelesen

Kommentieren

Kommentar zurücksetzen