18.04.2017 | 1:29 PM | Kategorie:
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Komplexität braucht Orientierung

APA-Defacto Geschäftsführer Clemens Ganner

Klemens Ganner leitet seit Mitte 2016 APA-DeFacto, die Datenbank- und Medienbeobachtungstochter der APA. Im Interview spricht er über Innovations- und Investitionsschübe, die sechste Generation des Pressespiegels und die Herausforderungen des digitalen Wandels für Medien und Kommunikation.

Sie sind nun seit einem halben Jahr Geschäftsführer der APA-DeFacto. Zeit für ein erstes Resümee. Womit haben Sie sich in den vergangenen Monaten beschäftigt?

Es war zuerst mal ein Eintauchen in die Produktionsprozesse, die Produktlogik, die Strukturen sowie das Kennenlernen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Intensiv beschäftigt hat uns zu Beginn die Einführung einer neuen Organisationsstruktur, die primär auf eine Stärkung des gesamten Quellenmanagements und Quellenaufbereitungsthemas abzielt. Und es sind Vorbereitungen für einen umfassenden Innovations- und Investitionsschub gelaufen, den wir 2017 durchführen. Der größte und wichtigste Investitionsteil liegt hier in der Entwicklung einer neuen Pressespiegeloberfläche – die sechste Generation –, denn hier wird unsere Arbeit tagtäglich sichtbar. Darüber hinaus legen wir Engagement in die Bereiche Social-Media-Monitoring, Contentaufbereitung, Prozessoptimierung, PDF-Aufbereitung sowie Radio und TV – ja, und kundenindividuelle Oberflächen: Hier haben wir vergangenes Jahr mit der ÖBB erfreulicherweise einen weiteren sehr großen Kunden gewonnen.

Die APA-Gruppe stellt sich als integriertes Informationsunternehmen dar. Welche Rolle nimmt APA-DeFacto hier ein?

Der Kern von APA-DeFacto liegt klar in den Datenbanken, die wir in den letzten Jahren und Jahrzehnten aufgebaut haben. Wir ergänzen das, was die APA in ihrer eigenen Produktion in Form des Basisdienstes liefert, um Medieninhalte, die von Dritten kommen: Zeitungs- und Magazinberichte, Radio- und TV-Inhalte, Newssites und vieles mehr. Wir reichern diese Inhalte dann mit Metadaten an, um sie für unsere Kunden aus Medien und Kommunikation nutzbar zu machen. Damit schließen wir sozusagen den Kreis der Nachrichtenproduktion. Und wir erzeugen damit Erlösströme für unsere Eigentümer.

Über Medienbeobachtung und -analysen erhalten Unternehmen Aufschluss und Wissen über das eigene Bild in den Medien und der Öffentlichkeit. Warum ist das gerade jetzt – in Zeiten des Wandels – so wichtig?

Einfach weil die „Medialisierung“ der Gesellschaft permanent zunimmt, also die Art, wie wir die Wirklichkeit wahrnehmen, von Medien und Netzwerken geprägt ist. Dies macht es unerlässlich, zu wissen, was über mich, meine Konkurrenz, meine Branche geschrieben wird. In Zeiten, in denen budgetäre Mittel knapper werden, wird auch das Wissen um das Ergebnis meiner Kommunikationsarbeit wichtiger. Hinzu kommt die steigende Komplexität der Welt und damit auch der Kommunikation. Hier braucht es Orientierung und Steuerung.

Stichwort Austria-Kiosk: Der digitale Zeitungsstand ist eine jener Plattformen, welche die APA für den österreichischen Medienmarkt betreibt. Er geht nun aufgerüstet in seine nächste Runde. Was wird er können?

Im Sinne des Member Value für unsere Eigentümer haben wir bereits 2011 den Austria-Kiosk gelauncht, der in den letzten Jahren sowohl quellenseitig als auch zugriffstechnisch stark gewachsen ist. Im Frühjahr werden wir eine nächste Version ausrollen. Es wird ein artikelbasierter Kiosk in Form einer (Smartphone-)App sein, wo Kunden nicht mehr nur Ausgaben von Medien konsumieren können, sondern eben auf Basis eines Vorschlagswesens nach individuellen Interessen und Bedürfnissen einzelne Beiträge vorgeschlagen bekommen.

Wie sehen die Zukunftspläne für APA-DeFacto aus, worauf konzentrieren Sie sich kurz- bis mittelfristig? Ein Projekt, das wir schon seit einiger Zeit vorantreiben, ist eine österreichische Paid-Content-Lösung für Medien.

Die Vision ist, dass es ein österreichweites Bezahlsystem gibt, mit dem man auf allen Medien kundenindividuell kaufen und lesen kann. Weiters geht es um das Thema „Datenanalysen“, d.h. das Beobachten von Bewegungs- und Nutzerdaten, die viel stärker in unsere Produktentwicklung einfließen sollen. Ein weiterer Punkt sind Branchenanalysen und Benchmarks. Durch die Kuratierung von Inhalten sowie eine redaktionelle Aufbereitung soll die Komplexität der Berichterstattung und der Medienrealität etwas besser greifbar sein. Hier fällt auch das Thema „Relevanz“ hinein. Es wird immer wichtiger, Informationen zu verdichten und Tendenzen zu bewerten.

Welche Themen und Aufgaben sehen Sie auf APA-DeFacto in den nächsten fünf Jahren zukommen?

Das sind sehr stark Themen, die mit Algorithmen, mit Machine-Learning sowie mit der Vernetzung von Daten zusammenhängen. Eine große Frage wird sein, wie wir die Verbindung zwischen traditionellen und neuen Medien herstellen können. Es geht, wenn man weiter in die Zukunft blickt, auch darum, den Kommunikationskreislauf noch besser abzubilden, d.h., die Kunden besser zu unterstützen. Konkret könnte das Adressmanagement, Influencer-Datenbanken, den ganzen Bereich des Content (Texte, Bilder, Inhalte, Videos) zur Erstellung von Kampagnen, Aussendeschnittstellen, automatisches Monitoring u.v.m. umfassen. Im Idealfall soll der gesamte Kommunikationsworkflow über eine einzige integrierte Lösung unterstützt werden.

 

Dieses Interview erschien ursprünglich im APA-Value 1/2017

25. April 2017, 05:36

Ich empfinde diesen Blog mittlerweile als der besten im österreichischen Raum? kann man euch unterstützen?

26. Oktober 2017, 05:02

Bewegungsdaten dürfte in Zukunft noch viel mehr an Bedeutung gewinnen als es das heute schon tut. Wer da noch das in den 80er Jahren erschiene Buch von George Orwell in Erinnerung hat bekommt da nur noch das lachen

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