02.03.2012 | 12:15 PM | Kategorie:
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Die Grenzen der PR sind die Grenzen meiner Welt

Vor wenigen Stunden kam ich aus einem erfrischenden, brancheninternen PR Workshop. In der Luxusrolle eines einfachen Teilnehmers. Fußfrei in letzter Reihe, keine Fragen. Mir ging’s um ein vertieftes Branchenverständnis, allen sonstigen Teilnehmern um die möglichst wirksame Interessensdurchsetzung ihrer Branche. Also alles bestens.

Mein heutiges kleines Aha-Erlebnis, das ich für so wertvoll erachte, um es zum Blogthema zu machen, war die kluge Abgrenzung der Hauptvortragenden, was PR alles nicht kann. Zusammengefasst: PR kann nicht Dinge ins Gegenteil verkehren, aus Wahrheit nicht Lüge und aus Lüge nicht Wahrheit machen. PR kann also nicht gewalttätig sein und keine Dinge erzwingen. Und PR ist niemals Korruption. Sondern PR ist die Kunst des Machbaren im freien Spiel der Kräfte der Kommunikation.

Bezeichnender Weise musste der veranstaltende Verbandspräsident den Workshop gleich nach seiner Begrüßung schon wieder verlassen. Ungeplant. Denn er lobbyierte im Ministerium, um dort auf Konsequenzen aufmerksam zu machen, die von der Regierung als Folgewirkung des Sparpaketes vielleicht doch nicht so beabsichtigt sind. Auch der Hausherr der Kanzlei eilte vom Workshop weg ins Finanzministerium, wo er selbiges für eine andere Interessensgruppe versuchte.

Inzwischen verdeutlichte uns die Vortragende, dass Medienarbeit eben nur ein kleiner Teil der PR sei. Und etwa Lobbying wie viele, viele andere Kommunikationsmaßnahmen der andere große Teil von PR wäre, der sich nicht in medialen Präsenzen messen lässt. An sich eine Binsenweisheit, die leider immer noch zuwenig bekannt und vor allem anerkannt ist, siehe das neue Lobbyisten-Gesetz in seinem jetzigen Entwurf.

Damit bin ich für heute am Punkt: Klar können Gesetzgebungen auch so lange zu Tode „lobbyiert“ werden, bis nichts mehr geht, z.B. in der Studiengebühren-Nichtregelung. Aber nicht mit PR. Nicht mit einem sauberen Lobbying, für das ich hier eine Lanze breche. Und die immer ein Teil der PR ist und sein soll, was im neuen Gesetz leider nicht gesehen wird. Unschön wird Lobbying, d.h. Kommunikation, nur dort, wo Erpressungen beginnen. Wo entscheidende Deals hinter dem Vorhang laufen, außerhalb und nicht darstellbar in der PR. Ich bin bei Gott nicht realitätsfremd und weiß nur zu gut, dass mit solchen Deals die derzeitige Politik, „das große Leben“ nun einmal so laufen. Doch es sind genau diese versteckten Zwangsgeschäfte, die, erstens, meistens ja doch irgendwann auffliegen und vor allem, zweitens, die größte Vertrauenskrise unseres demokratischen Systems am Gewissen haben werden, die dieses je gesehen hat. Sie sind die Totengräber unserer sich frei entwickelnden Gesellschaft.

Meine Schlussfolgerung: PR im Sinne einer transparenten Kommunikation sollte die Außengrenze meiner Welt sein, mit allen bekannten Spielregeln, gültig für alle Personen und Marktteilnehmer. Das bedeutet nicht, dass PR nun zum Mittelpunkt von Unternehmen werden soll. Ganz im Gegenteil. Der Unternehmensmittelpunkt ist von PR möglichst unbeeinflusst zu halten. Dort soll frei, kreativ und konzentriert produziert werden. Also Musik gemacht, alle möglichen Produkte, Güter, Spiele oder Lebensmittel erzeugt oder Services und Dienstleistungen erbracht werden.

Überall dort jedoch, wo Menschen und Unternehmen miteinander in Berührung kommen, beginnend bei der internen Mitarbeiterakquise und -führung bis hin zum Verkauf und der Positionierung am Markt, überall dort sollte „nur“ mittels PR nach den klassischen PR Regeln kommuniziert werden. Wir hätten dann alle ein gutes Leben. Ganz einfach.

3. März 2012, 09:29

Dazu fällt mir Steve Jobs ein, warum er so gerne im B2C-Markt ist: „Wir bauen ein gutes Produkt, dann erzählen wir den Leuten davon und sie gehen her und stimmen mit ihrem Geld ab, ob es ihnen gefällt.“

Ganz einfach und ganz sauber.

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