22.02.2013 | 3:04 PM | Kategorie:
1

Umfragen und Medien – zwischen Seriosität, Show und Manipulation

Österreichische Medien veröffentlichen gerne Umfrageergebnisse, um die Rezipienten zu informieren. Das halte ich für eine wesentliche demokratische Errungenschaft. Manchmal erscheint mir jedoch die Grenze zwischen Information, Unterhaltung und Stimmungsmache schwimmend zu sein. Gerade im Super-Wahljahr 2013 werden wieder zahlreiche Umfrageergebnisse publiziert , die von österreichischen Meinungsforschungs-Anbietern zur Verfügung gestellt sind. Worauf sollten JournalistInnen achten, wenn es darum geht, die Qualität einer Umfrage zu bewerten?

Wir hatten dazu kürzlich ein Seminar in Kooperation mit dem Forum Journalismus und Medien (fjum), das durchwegs positive Resonanz hervorgerufen hat. Meiner Meinung nach kommt es wesentlich auf eine gute Zusammenarbeit zwischen Meinungsforschungs-Institut und Medium an, denn beide tragen – entsprechend unserem ethischen ESOMAR-Codex – gemeinsame Verantwortung, dass Ergebnisse korrekt dargestellt werden. Wenn die Informationen an das Medium übermittelt werden, muss das Institut jede Irreführung vermeiden und klar zwischen den Ergebnissen und persönlichen Interpretationen unterscheiden. Interpretationen, die nicht durch Daten gestützt werden, sind keine empirische Forschung, sondern persönliche Ansichten und Überzeugungen. Seriösen Meinungsforschern ist dies untersagt, sofern nicht ausdrücklich auf eigene Meinungen hingewiesen wird.

Ideal wäre eine Vereinbarung vorab zwischen Institut und Medium, wie die Ergebnisse veröffentlicht werden, um Missverständnisse von vornherein zu vermeiden. In der Praxis sitzt da wohl das Medium oft am längeren Ast. Sollten jedoch in der Publikation Ergebnisse falsch interpretiert werden, so ist das Institut verpflichtet das zu korrigieren z.B. durch eine selbständige Veröffentlichung der Umfrage-Details und die Verweigerung, den Institutsnamen zusammen mit der Studie zu veröffentlichen. Ich empfehle, eine Überprüfung der Umfrage-Güte auf der Instituts-Website zu ermöglichen, und dazu in der Veröffentlichung einen Link zur jeweiligen Homepage anzuführen. Dort können dann jene Informationen nachgelesen werden, die zur Bewertung einer Umfrage dienen, sofern nicht bereits angeführt z.B. der Umfragezeitraum, die Grundgesamtheit, Art der Stichprobenbildung und Umfang, Erhebungsmethode, Auftraggeber und genaue Frageformulierungen. In der journalistischen Darstellung erscheint mir auch besonders wichtig, in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein über die Möglichkeiten und Grenzen der Interpretation von Forschungsergebnissen zu schaffen, z.B. durch einen klaren Hinweis auf statistische Fehlertoleranzen. Ich wünsche mir, dass Medien stärker auf die Qualität von Meinungsforschung achten und dazu eng mit Instituten kooperieren, damit es in diesem Jahr nicht wieder Schlagzeilen wie jene zur Kärnten-Wahl 2009 gibt: „Meinungsforscher lagen voll daneben.“

 

17. April 2013, 01:21

Mir bleibt eigentlich nicht mehr zu sagen als: Du hast es auf den Punkt gebracht! Schöner Artikel, danke!

Kommentieren

Ihre Daten werden im Rahmen der Kommentarfunktion gespeichert, darüberhinaus aber für keine weiteren Zwecke verwendet. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Kommentar zurücksetzen