19.02.2009 | 11:21 AM | Kategorie:
2

Schluss mit dem Wachstum! Bravo?

Kaum ein Tag vergeht, an dem mich nicht ein Geschäftspartner darauf anspricht, wie sehr ihn das Gerede von der Krise schon nervt. Immerhin gebe es ja schon seit mehr als einem halben Jahr kaum ein anderes Thema. Wie ist es dazu gekommen?

Erst war die Krise noch weit weg, aber alle haben sie schon kommen sehen. Es wurde davor gewarnt – also darüber geredet. Dann stürzten die Börsenkurse, sehr wahrscheinlich auch die eigenen Aktien. Klar, das waren Neuigkeiten – also wurde darüber geredet. Und schließlich sind die ersten Kunden im eigenen Unternehmen umgefallen. Jetzt war die Krise also in der Realwirtschaft angekommen – in den „eigenen vier Wänden“ – logischerweise wurde wieder geredet. Allesamt Belege für die Richtigkeit eines Leitsatzes aus der Kommunikationstheorie nach Paul Watzlawick: „Man kann nicht nicht zu kommunizieren.“ Der Bedarf an kommunikationswirtschaftlichen Dienstleistungen sollte also keinen Schwankungen unterworfen sein.

Strategie und Kunden
Ob das schon heißt, dass die Kommunikationsbranche automatisch von der Krise profitiert, darf bezweifelt werden. Zu unterschiedlich sind die Disziplinen, zu vielschichtig der Wettbewerb. Nur soviel scheint fest zu stehen. Bei dauerhaft schlechter Geschäftsentwicklung die Schuld auf den Markt allein zu schieben, wird zu wenig sein. Zu hinterfragen ist die eigene Strategie: Habe ich jene Unternehmen, die langfristige Konzepte verfolgen, als Leitkunden in meinem Markt korrekt identifiziert? Welche Chance habe ich, sie zu meinen Kunden zu machen? Mit welchen Produkten und Dienstleistungen kann ich die erkannten Bedürfnisse am besten befriedigen?

„Krise = Chance“ – ja, aber welche?
Immer lauter sind Experten zu hören, die Hoffnungen an die aktuelle Wirtschaftskrise knüpfen. Der Tenor: Es möge endlich Schluss sein mit der ungesunden Fixierung auf Größe und Wachstum. Schon vor knapp 20 Jahren schrieb Hans A. Pestalozzi in seinem Buch ‚Auf die Bäume ihr Affen‘: „(…) Warum ist man nicht fähig, einige ganz einfache Rechnungen zu machen? 2 % Wachstum bedeutet Verdoppelung in 35 Jahren. Eine Verdoppelung muss man sich konkret vor Augen führen. Dies heißt: In 35 Jahren von allem, was wir heute in der westlichen Industriewelt an materiellen Gütern und Dienstleistungen haben, doppelt so viel! Doppelt soviel Straßen, doppelt soviel Autos, doppelt soviel Häuser, doppelt soviel Ferienreisen, doppelt soviel Medikamente, doppelt soviel Bier, doppelt soviel Koteletten, usw.. Jeder nur einigermaßen vernünftige Mensch sieht sofort ein, dass ein solches Rezept heller Wahnsinn ist. Aber die Herren wollen ja nicht 2 % Wachstum, sondern 6 %, um ihre Probleme lösen zu können. (…)“

Themenwechsel jetzt
An die Stelle von Größen- und Mengenwachstum soll Qualitätssteigerung treten, so die Expertise. Dazu wird es mehr brauchen als knappe Botschaften. Bildung und Aufklärung sowie Möglichkeiten, neue Dinge für das Publikum auch erfahrbar zu machen, helfen hier schon eher. Die Chancen für inhaltsorientierte Kommunikation stehen also nicht schlecht. Das bietet neuen Gesprächsstoff. Wir sollten also das Thema jetzt wechseln, aber unbedingt weiter reden…

23. Februar 2009, 10:44

Einmal ehrlich: welcher vernünftig denkende Mensch kann denn allen Ernstes davon ausgehen, dass jährliches Wachstum vorprogrammiert ist? Nehmen wir als Beispiel den Tourismus: in Tirol schwankten die Winternächtigungen in den vergangenen 20 Jahren zwischen 19 und 25 Millionen. In guten Jahren, wie 2003 oder 2005, konnten Steigerungen um fast zwei Prozent verzeichnet werden. Würden wir diese Steigerung jährlich verzeichnen, hätten wir 2020 deutlich mehr als 31 Millionen Winternächtigungen – mit all den damit verbundenen Vor-, vor allem aber auch Nachteilen. Ist das unsere einzige Zukunftsperspektive? Ich denke nicht…

27. Februar 2009, 01:05

Krise heißt immer auch Chance. Eine Krise ist meist doch ein Sieb, der die „Schlechten“ Körner aussortiert und aus denen die „Guten“ Körner gestärkt hervorgehen, da sie mehr Platz haben.
Nicht umsonst gilt doch der Leitsatz: In Schlechten Zeiten sollte man investieren und in Guten verkaufen…

Kommentieren

Ihre Daten werden im Rahmen der Kommentarfunktion gespeichert, darüberhinaus aber für keine weiteren Zwecke verwendet. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Kommentar zurücksetzen