19.05.2010 | 10:14 AM | Kategorie:
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Webby Awards und die Frage der Motivation

Anfang Mai wurden die Webby Awards 2010 vergeben. Internet-Projekte aller Arten – Webseiten, Werbekampagnen, Online-Videos und -Filme sowie „Mobile Web“ – werden sowohl von einer Jury als auch vom Publikum bewertet und ausgezeichnet. Die zahlreichen Kategorien machen es zwar etwas unübersichtlich, vieles davon ist USA-orientiert (trotz internationaler Einreichungen), doch geben diese Awards einen guten Einblick in die Kreativität von Internet-Projekten. Was mich besonders freut: Zwei meiner persönlichen Favoriten haben auch gewonnen!

Erstens: Um die Livestrong-Aktion und die Lance Armstrong Foundation gegen Krebs zu unterstützen hat Nike Fans der Tour de France eingeladen, Twitter-Botschaften zu senden, die mit einem eigenen Gerät, dem „Chalk-Bot“, auf den Asphalt der Strecke gedruckt wurden. Bilder dieser Asphalt-Botschaften wurden mit GPS-Koordinaten zurück an die Twitter-User geschickt. Hier verband Nike die alte Tradition, persönliche Botschaften mit Kreide händisch auf den Asphalt zu schreiben, mit den Mitteln moderner Technologie – motivierend!

Zweitens: Der VW-Konzern stellte sich die Frage „Wie motiviert man Menschen, ihr Verhalten positiv zu verändern?“ und gab sich selbst die Antwort: Wenn es Freude bringt. So installierte VW z.B. Klaviertasten auf einer U-Bahn-Stiege, erhöhte den Spaß-Faktor des Stiegensteigens (66% mehr Leute als üblich benutzten die Stiege statt der Rolltreppe) und bestätigte damit seine Fun-Theory. Ein eigener Wettbewerb motivierte Leute, ihre persönlichen Ideen zur „positiven Verhaltensänderung durch Spaß“ einzureichen – über 700 Personen machten mit. Weltweite Medienberichte, Blog-Beiträge und Forumsdiskussionen führten dazu, dass der Autoproduzent für diese Kampagne mit dem Preis für beste Online-Guerilla und Innovation ausgezeichnet wurde. Persönliche Anmerkung am Rande: Das englische „fun“ gefällt mir hier wieder einmal viel besser als das deutsche Wort „Spaß“; auch „Freude“ trifft es nicht richtig…

Bleiben wir aber noch kurz beim Thema Motivation, mit dem ich auch in meiner Arbeit viel zu tun habe, jedoch auf einer ganz anderen Ebene: Der deutsche Hirnforscher Gerald Hüther hat sich intensiv mit der Frage „Was motiviert Menschen?“ beschäftigt und er kommt auf drei Faktoren: Wenn der Mensch Dinge tut, die ihm Verbundenheit mit anderen bringen, die ihm eine (Weiter-)Entwicklung ermöglichen und die für ihn sinnvoll sind, dann wird er höchst motiviert sein. Das kann man nun auf Werbung umlegen (so hat die VW-Kampagne alle diese Faktoren erfüllt und damit viele „Follower“ gewonnen), aber auch auf viele andere Disziplinen wie Interne Kommunikation, Change Communications, Führung, etc. Die Praxis zeigt allerdings oft (und das beginnt bereits in der Schule), dass hier noch viele alte Denkmuster über Bord zu werfen sind bzw. auch in der Umsetzung noch viel zu tun ist – aber das ist wieder ein ganz anderes Thema…

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