10.03.2017 | 2:07 PM | Kategorie:
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„Es geht darum, den Menschen die Mystifizierung von Technik zu nehmen“

Lena Doppel ist Digitalstrategin bei der Agentur Fonda Interaktive Medien und Kommunikation. Als Digitale Nomadin kann man sie aber durchaus im WLAN-freundlichen Kaffeehaus antreffen, von wo aus sie ihre E-Mails schreibt und das eine oder andere Konzept entstehen lässt. Inspiriert von der Veranstaltung otsconnect, wollten wir mehr zu Filterblase, Echokammer und Algorithmen wissen.

Filterblasen und Echokammern sind kein neues Phänomen. Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen diesen Begriffen?

Die Echokammer ist ein Begriff aus der Medienwissenschaft. Da geht es darum, dass in einer Gruppe von Personen, die einer ähnlichen Meinung sind, eine in das System reingespielte Meinung oft nicht hinterfragt, sondern als Wahrheit angenommen wird. Diese wird schließlich zwischen den Playern hin und her geteilt und bekommt dabei mehr Gewicht und teilweise unwahre Anteile. Dann wird diese Nachricht oft sensationell präsentiert, aber nicht hinterfragt – das ist die Echokammer.

Die Filterbubble hingegen ist das, was jeden betrifft. Jeder von uns hat eine Filterblase, egal ob er oder sie medial präsent ist oder nicht. Wir filtern auch aus, welche Erfahrungen wir im alltäglichen Leben haben, und wir agieren mit Menschen, die einen ähnlichen Filter haben – wir lernen zu filtern seit wir auf der Welt sind, das nennt man Sozialisation.

Stichwort Algorithmus: Gibt es DEN bösen Algorithmus?

Algorithmus ist einfach nur eine Vorschrift, wie ein Computer was zu erledigen hat. Facebook besteht aus Millionen davon. Der Algorithmus, mit dem wir uns beschäftigen, ist der sogenannte News-Feed-Algorithmus. Dieser stellt uns zusammen, welche Infos wir sehen, wenn wir auf Facebook einsteigen. Der ist nicht böse, aber er hat einen Bias. Er wird so programmiert, dass Dinge, die wir selber liken oder kommentieren, bevorzugt wieder in unserem Newsfeed auftauchen. Wir sehen nicht alles gleichwertig.

Wie sehen Sie die aktuelle Bemühung von Facebook, gegen Newsfilter vorzugehen?

Grundsätzlich bin ich kein Fan davon, Facebook eine Macht zu geben, die in Richtung Zensur geht – also Sachen zu löschen, die gesetzlich nicht gedeckt sind. Ich finde es falsch, Facebook zu überlassen, was wir nicht sehen sollen. Was ich sehr gut finde, sind Initiativen, die in Richtung Auszeichnung bzw. Bewertung von Inhalten gehen. Es gibt Initiativen, mit denen Facebook bereits zusammenarbeitet. Sogenannte Fact Checking-Organisationen bewerten Inhalte auf ihren Wahrheitsgehalt, aber sie löschen sie nicht.

Wo muss man heute bei der Medienkompetenz ansetzen?

Es hat lange in der älteren Generation den Ansatz gegeben, dass die Digital Natives mit den Neuen Medien super umgehen können, weil sie damit aufwachsen. Das stimmt nicht. Auch wenn ich mit einem Smartphone etc. aufwachse, habe ich die Funktionen dennoch nicht durchschaut. Es geht darum, den Menschen die Mystifizierung von Technik  zu nehmen. Es geht darum zu sagen – das ist von Menschen gemacht – das kann gewisse Dinge aber nichts davon ist magisch oder automatisch manipulativ. Doch wenn du dich nicht damit auseinandersetzt, kann es dich sehr wohl manipulieren.

Welche Initiativen setzen Sie selbst zur Vermittlung von Medienkompetenz?

Freunde und ich sind dabei, eine Schule zu gründen, die LernArena. Diese Schule wird eine 360° Medienbildung für Eltern, Lehrer und Schüler anbieten. Für mich ist das Interessante an der Schule, an einem Ökosystem zu arbeiten, in dem wirklich alle Player in die Medienbildung einbezogen werden. Daraus hat sich auch entwickelt, dass wir Workshops für Schulen anbieten werden. Das ist aber noch work in progress…

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