18.08.2017 | 9:39 AM | Kategorie:
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Medizin-Journalismus: „Ich muss auch als medizinischer Laie das Spannende an der Information erkennen können.“

Im Medizin-Journalismus müssen komplexe Informationen zu handlichen Tipps umgewandelt werden. Forschungsergebnisse und medizinische Erkenntnisse, die als Presseaussendung verpackt werden, bieten Anlass für redaktionelle Berichterstattung. Magdalena Meergraf leitet das Kurier-Magazin „Medico“ und rät in unserer Reihe „Wer liest eigentlich Presseaussendungen“, öfter nachzufragen und zu beobachten, um die richtigen Journalisten zu erreichen.

Wie würden Sie Ihren Arbeitsalltag in ein paar Sätzen beschreiben?

Ein großer Teil meines Arbeitsalltags besteht darin, Organisatorisches zu erledigen – den Magazinaufbau zu planen, Beiträge mit den Autoren und Autorinnen zu besprechen, das Briefing für die Grafik vorzubereiten und Personen für Interviews aufzustellen. Ansonsten recherchiere ich selbst Beiträge und treffe mich mit Experten und Expertinnen. Das Schreiben kommt zum Schluss und muss dann meistens recht schnell passieren.

Greifen Sie bei Ihrer Themenrecherche auch auf Presseaussendungen von Unternehmen und Institutionen zurück?

Ja. Sie helfen bei der Ideenfindung für Artikel. Dabei geht’s meistens um neue Erkenntnisse aus der Forschung, um revolutionäre Medikamente, die auf den Markt gekommen sind, oder um Ergebnisse aktueller Studien. Stammen die Aussendungen von Selbsthilfegruppen oder Interessensvertretungen machen sie oft auf größere Problemstellungen aus Sicht von Betroffenen aufmerksam. Auch Einladungen zu Diskussionsveranstaltungen sind interessant für mich.

Wie muss für Sie eine Presseaussendung aufbereitet sein, damit Sie etwas damit anfangen können?

Ich muss auch als medizinischer Laie das Spannende an der Information erkennen können. Der Neuigkeitswert sollte in den größeren Kontext eingeordnet bzw. Zusammenhänge hergestellt werden. Wenn beispielsweise ein neues Medikament entwickelt wurde, dann möchte ich wissen: Was gibt es da schon, wem hilft das neue Medikament jetzt genau und welche Rolle nimmt es ein? Wichtig ist außerdem die Nennung einer Kontaktperson, die ich dann auch einfach erreichen kann.

Welche Fehler machen Aussender von Presseinformationen häufig?

Manche Absender machen sich offenbar überhaupt keine Gedanken dazu, ob eine Information für meine Arbeit passend oder interessant sein könnte. Mein Vorschlag: Entweder nachfragen, oder Zeitungen und Magazine beobachten und so einen geeigneten Medienverteiler aufbauen.

Was ist ein absolutes No-Go bei PR-Materialien?

Aufforderungen wie etwa „Text ungekürzt übernehmen!“ oder generell „Bitte Text verwenden!“ sind ein absolutes No-Go. Es ist nicht meine Aufgabe, PR-Texte zu veröffentlichen. Wenn sich eine Firma selbst in großen Tönen rühmt und lobt, ohne tatsächlich eine wirkliche Neuigkeit zu bieten, kommt das ebenfalls nicht gut an.

Wie möchten Sie von Aussendern angesprochen werden, wie nicht?

Eine persönliche Anrede ist nicht unbedingt notwendig und wenn doch, dann ganz einfach mit „Liebe Frau Meergraf“. Viel wichtiger ist mir, dass die Absender wissen, wieso sie gerade mir die Presseaussendung schicken.

Magdalena Meergraf (Monopol Medien) leitet das Gesundheitsmagazin „Medico“ im Auftrag des „Kurier“. Presseaussendungen empfindet sie als hilfreich bei der Ideenfindung, die Veröffentlichung sieht sie allerdings nicht in ihrer Pflicht. (Fotocredit: (c) Maximilian Meergraf)

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