28.11.2017 | 3:59 PM | Kategorie:
0

Kommunikationsexperten: „Analoge PR gibt es nicht mehr“

PR-Trendradar Podium

Die Digitalisierung verändert nicht nur die Mittel und Wege der Kommunikation, sondern auch die Aufgaben der PR-Verantwortlichen. PR-Profis stehen vor einer fast unüberschaubaren Auswahl an Instrumenten und Kanälen, um ihre Themen zu platzieren. Über die aktuellen Hypes aus den USA, das Kaufen und Ausborgen von Reichweiten, das Gespenst der „digitalen Agentur“ und weitere Fragen zum Einsatz der neuen Kommunikationsmöglichkeiten sprachen Expertinnen und Experten am 28. November 2018 beim APA-DeFacto-BusinessBreakfast.

Fotos von der Veranstaltung

PR-Trendradar: Umfrage zur digitalen PR-Fitness

Das Institut meinungsraum.at hatte in Zusammenarbeit mit APA-DeFacto und APA-OTS PR-Verantwortliche in Österreich nach ihrer digitalen PR-Fitness befragt. Als größte Herausforderungen gaben die Teilnehmer steigenden Ressourcenbedarf, die Erfordernis rascheren Reaktionsvermögens und die Bedienung neuer Technologien sowie das Thema Datenschutz an. Interessantes Detail: Nur 44 Prozent der Befragten haben nach eigener Aussage bereits eine Strategie für digitale Kommunikation, nichtsdestotrotz schätzen sich 60 Prozent in diesem Bereich als erfolgreich ein.

Keine Trennung mehr zwischen analog und digital

Ob analoge PR überhaupt noch existiere, lautete die Einstiegsfrage von Moderatorin Julia Wippersberg an die Podiumsteilnehmer. Die Experten waren sich einig, dass zwischen analog und digital keine Trennung mehr gemacht werde: „Bei uns gibt es nur noch digitale Kommunikation“, erzählte Astrid Salmhofer, Leiterin der Kommunikation bei Wien Energie, aus ihrer täglichen Praxis: „Man teilt in Themen auf und kommuniziert über die entsprechenden Kanäle.“

Content vor Hype

Zum aktuellen Hype um die Gruppe der „Influencer“ meinte Yussi Pick, Managing Partner bei Pick & Barth Digital Strategies: „Wir haben es mit einer neuen ‚Kategorie‘ zu tun, die sich ihre Reichweite selbst aufgebaut hat.“ Entsprechend könne sich die PR deren Reichweite borgen. Mit einem Appell für inhaltliche Qualität erntete Patrick Lenhart, Marketing-Experte der Österreichischen Fußball-Bundesliga, Zwischenapplaus beim Auditorium: „Wir lassen uns stark von der Technologie und den neuen Medien treiben, sollten diese Energie aber besser in den eigenen Content investieren – mehr Fokus auf den Inhalt, statt auf die Kanäle.“

Wie die Branche dem Umstand begegne, dass die Generationen heute sehr unterschiedliche Sprachen sprechen? Lenhart hält in diesem Zusammenhang nichts von einem exakten Kommunikationssprachleitfaden: „Man kann Grundregeln festlegen, es hat aber wenig Sinn, von Unternehmensseite fixe Wording-Vorgaben zu machen.“ Dem stimmte auch Gerhard Kürner, Geschäftsführer Lunik2 Holding, zu: „Die große Schwierigkeit entsteht, wenn bewusst Jugendsprache simuliert wird.“ Auch Salmhofer stimmte ein: „Wir Kommunikatoren müssen uns davon verabschieden, dass wir alles kontrollieren können.“

Trend Chatbots

Von einer ausschließlich „digitalen Agentur“ habe Pick noch nie gehört: „Viele meiner Freundinnen und Freunde in den USA arbeiten mittlerweile von zuhause aus, es gibt dort eine stärkere Conference-Call-Kultur.“ Eine solche Entwicklung sehe er für Österreich aber nicht.

Martina Wiesenbauer-Vrublovsky, Geschäftsführerin APA-OTS, ortet großes Potenzial in Messenger-Diensten: „Ich denke, diese werden in Zukunft eine viel wichtigere Rolle spielen, wir sprechen hier von Interaktionsraten von 97 Prozent.“

An Trends aus den USA wurden unter anderem Chat-Bots genannt. Pro Chat-Bots plädierte Salmhofer: Wien Energie erfahre mit dem „BotTina“ eine große Hilfe durch die automatisierte Beantwortung von Anfragen. Auch Lenhart äußerte sich grundsätzlich positiv in Sachen Chat-Bots für standardisierte Abläufe. Für die Bundesliga seien diese aber nicht einsetzbar – die Kommunikation mit Fußballfans gestalte sich grundsätzlich „sehr emotionalisiert“, dem müsse man persönlich und mit Einfühlungsvermögen begegnen.

Umfrageergebnisse zum Download: http://wp.apa.at

 

Weitere Artikel

OTS-Trendradar: 78 Prozent zufrieden mit PR-Job

Check, Re-Check, Double-Check. Wie arbeiten Journalisten heute?

Kommentieren

Kommentar zurücksetzen