05.04.2012 | 10:08 AM | Kategorie:
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Journalisten auf Twitter: 1984 – George Orwell schaut zu

Wer mit wem kann und wie oft? Wollen wir das von seriösen Journalisten wirklich wissen? Eine der interessantesten Auswüchse des Journalismus ist die Einbeziehung von Twitter in ihre tägliche Arbeit. Das befriedigt zwar den Voyeurismus des interessierten Twitteranten, also mich, aber doch auf Kosten der „professionellen Distanz“.

In Österreich wird Twitter sehr intensiv von den Journalisten und PR-Leuten genutzt. Und das führt dazu, dass das Medium für Journalisten so normal wird, dass so manch private Meldungen hinausposaunt werden.

Wenn man, wie ich, jemand ist, der gerne anderen zuhört, können durchaus interessante Verbindungen hergestellt werden. Da kann es schon mal den Anschein machen, dass ein Chefredakteur von seinen Kollegen nicht für ganz voll genommen wird. Oder dass sich ein „Aufdecker“ in die „Rechtfertigungsecke“ drängen lässt, weil ein Publizistik-Student eine etwas „schärfere“ Frage (Andeutung?) stellt. Sehr lustig.

Man könnte meinen, dass unter so mancher toughen Oberfläche ein ziemlich unsicherer Kern steckt. Interessant, aber menschlich.

Dazu kommt, dass dieselben Journalisten meistens dieses „Ich-muss-der-erste-sein-der-publiziert-Gen“ in sich tragen und deshalb kann es passieren, dass von vielen Journalisten die gleichen Meldungen getwittert werden. Langweilig.

Was passiert also: Privates und Berufliches werden vermischt. Ist das gut für das Ansehen der Journalisten? Eher nicht, weil ich nicht „ahnen“ will, mit welcher Partei einzelne Journalisten sympathisieren. Ist das unterhaltsam? Ja, weil es einfach witzig ist.

Trotzdem finde ich, dass es nicht gut ist, wenn Konsumenten zu viel Privates über einzelne News-Berichterstatter herauslesen können. Ich bin der Meinung, dass Journalisten, die sich um Nachrichten und Skandale kümmern, wenig Ahnung haben, wie sie mit ihren privaten Meldungen umgehen sollen. Das ist ganz schwierig. Für mich gibt es zwei große Gruppen im Journalismus. Den informativen und den unterhaltsamen Journalismus. Bei „privaten“ Twitter-Meldungen geht es primär um Unterhaltung, nicht um Information. Menschen unterhalten ist jedoch nicht so einfach wie es klingt.

Wer sind die Journalisten die unterhalten können? Das sind Journalisten wie Okka Rhod (ausnahmsweise eine namentliche Erwähnung). Okka schreibt unter anderem für eine deutsche Zeitschrift rund um kulinarische Köstlichkeiten. In dieser Zeitschrift geht es um Rezepte, Interviews mit Köchen, Reisen in Verbindung mit regionalen Speisen und so weiter. Keine Themen, die uns die Haare zu Berge stehen lassen und sicher nicht weltbewegend sind. Die aber eben doch die Welt bewegen, weil Genuss ein sehr wichtiger Wert ist.

Ich liebe es zu kochen und auch zu backen, das sieht man leider schon ein bisschen, aber es entspannt ungemein, das Kochen. Deshalb habe ich diese Zeitschrift abonniert.

Allerdings muss ich gestehen, dass ich mich mittlerweile auf die Zeilen von Okka am meisten freue. Witzig, unterhaltsam und sehr oft hält sie mir einen Spiegel vor, der mich wiederum zum Lächeln bringt. Ich kenne sie nicht persönlich und werde sie ziemlich sicher nie kennenlernen, aber das macht nichts. Sie beherrscht es unglaublich gut, über Privates zu schreiben und dabei nichts rauszulassen.

Das ist der unterhaltsame Journalismus. Auf Twitter versuchen viele Journalisten auch diesen Bereich abzudecken, was oft nur dürftig gelingt und sehr oft peinlich wirkt. Meiner Meinung nach sollten so manche Schreiber dieses Terrain Journalisten wie Okka überlassen, die können das.

Gut für mich ist, dass wahrscheinlich alle Journalisten glauben, dass sie das auch können. Was wiederum sehr unterhaltsam ist.

Weiter so. 🙂

 

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